Die Ursprünge für diese Verwicklung liegen im Juli 2016. In Regensburg wurde unser VW von einem fremden Wagen beim Rangieren touchiert und erhielt im Frontbereich einen geringen optischen Schaden. Die Regulierung war eingeleitet und es war laut Gutachter klar, dass wir eine komplette neue Frontpartie erhalten würden – wie sich später zu Beginn des Jahres 2017 herausstellte, sah das die in der Zahlungspflicht stehende Europa-Versicherung des Unfallversicherungsnehmers etwas anders, aber nur um etwa 200/300€ weniger.
Also, es war sonniger Sommer und wir dachten uns, wenn nicht jetzt, wann dann mal einen Offroadpark mit dem Amarok durchpflügen! Wenns schief geht, egal, er kommt ja eh in die Werkstatt! Und wir müssen nicht zahlen.
Nicht zu weit entfernt liegt vom Ruhrgebiet Fursten Forrest, ein ehemaliger Truppenübungslatz. Am 18.08.16 fuhren wir dahin und tasteten uns über die Wippe [siehe Video Wippe], die leichten schrägen Passagen, die flachen Gewässer, auch dann an die attraktiveren Stellen heran. Unsere Schlammtour war auch schon fast zu Ende, da überwältigte mich der Übermut. Eine nette, etwa 10m lange Pfütze über die volle Breite der Piste lag vor uns. Greenhorns, wie wir damals waren und noch immer konsequent sind, haben kaum Erfahrung. In Vermutung, dass die Wasserstelle auch etwa 15-20cm tief wäre, legte ich die 4×4-Übersetzung ein und dachte mir, mit Schwung kann nicht schaden! Gedacht, getan! Kaum im Wasser, machte es dezibelstark RUMS. Wir fuhren weiter bis zum Trockenen und hielten an. Auf den ersten Blick sahen wir nix, aber doch, die Blende vor der Radkastenerweiterung stand ab und: Der Klassiker – unser Frontnummernschild war nun woanders. Wir grinsten, nach dem der Schreck gewichen und die Erkenntnis gesiegt hatte, dass der Wasseraufprall Ursache des Knalls und Nummerschildverlusts war. Wir versuchten mit den Augen in der aufgewühlten Wassermenge ein treibendes Stück Blech zu entdecken. Nee, wäre auch zu schön gewesen. Von dem Versuch, barfuß durch den Schlamm zu gehen, um das Schild zu suchen hielt ich meine Frau erfolgreich ab.

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Nummernschild und Zierleisten vom Radkasten in Fursten Forrest gelassen

Es war ja nur das vordere Schild, das mit dem TÜV-Siegel hinten hatten wir doch noch und so ein Blech kostet in Deutschland doch nur 20€. Geerdet von der Aktion, säuberten wir das Fahrzeug und fuhren nach Hause.
Am Folgetag kaufte ich beim Schildermann ein neues Nummernschild und war zufrieden. Schwieriger als das Schild, war das Beziehen des bunten NRW-Ländersiegels. Aber man kennt ja Hinz & Kunz im Freundeskreis oder auch in den Werkstätten. Pustekuchen, alle Quellen liefen leer. Die Ebene mit dem Landessiegel ist echt gut geschützt und es war kein Drankommen. Also, dann sollte es offiziell gehen. Wir wollten mit Hilfe der VW-Vertragswerkstatt das nun bei den Behörden regeln lassen, da in unserer Kommune beim KFZ-Bereich Wartezeiten auf einen Termin für Privatleute von 3 bis 4 Wochen angesagt waren. Auch die blitzen ab und sagten uns, dass wir das Nummernschild nicht mehr nachlegalisieren könnten. Es geht überhaupt nur mit einem generellen neuen Nummernschildsatz!!! Für das Austragen der alten Nummern, muss man ja die alten vorliegen, was nicht ging. Also sollten wir quasi einen Autoneukauf starten. Wir benötigten eine neue elektronische Versicherungsnummer, neue Nummern und neue Bleche. Alles Arbeit, aber easy zu erledigen. Blöder war, dass wir zur Polizei mussten, um das Fehlen des Schildes anzuzeigen. Wir erhielten den guten Rat, eine andere Version zum Verlustes den Beamten der Polizeiwache mitzuteilen. Gesagt, getan. Die Anzeige, dass ein (1) Nummernschild uns fehlt gaben wir auf. Der Nummernsatz wurde daraufhin für ein Jahr gesperrt, damit keiner Nutzen aus einem möglichen fremden Nummernschild zeihen kann und uns belastet. Dann im Netz ein Wunschkennzeichen versucht zu finden, was uns zusagte und wir scheiterten fast. Die Zulassung beim Amt übernahm wieder ein Servicemann unseres Autohauses und irgendwann (!) hatte ich abends alle Schilder in der Hand. Die neuen mit Siegeln, aber auch die bösen gesperrten mit allen Siegeln!!! Egal, in einem Jahr versuchen wir das alte Kennzeichen wieder anzunehmen.
Der VW Amarok hat zwei Kennzeichen mit Siegeln. Wenn wir aber mit der Wohnkabine reisen, verdeckt diese das hintere Schild am VW. Aus diesem Grund erhält die Wohneinheit auch ein drittes Nummernschild, hier sind allerdings keine Siegel Pflicht. Aus Kostengründen, Faulheit und auch Vergesslichkeit, blieb an der Kabine das alte Nummernschild dran. Als wir zum Herbsturlaub und zu den folgenden etlichen Wochenendtrips den Tischer wieder aufwuppten, hatten wir die Nummernschildepisode längst abgehakt.
Nun in der Schweiz holte uns die Vergangenheit wieder ein. Morgens am REIMO klopft es. Ich blicke aus dem Alkovenfester und sehe ein Polizistenpaar!! Problem, wir stünden im Schutzgebiet (war aber nur von Norden ausgewiesen, wir waren von Westen gekommen).
Nach dem wir uns ausgewiesen hatten und beteuerten, nachts erst hier zum ruhigen Nächtigen eingeparkt hätten und keine Verbotsschilder gesehen hatten. War alles entspannt. Allerdings kamen die beiden Oberberner Polizisten nun auf das als gestohlene und (!) international ausgeschriebene Nummernschild zu sprechen. Schweizer Gründlichkeit halt, aber, sie hatten ja Recht. Ich versuchte das komplizierte Geschehene zu erklären und sie signalisierten uns auch, dass sie dem folgen könnten – aber aus den Nachfragen war klar, beide hatten noch nie etwas von Pickup-Campern gehört. Trotzdem mussten wir mit auf die Wache, um das dort in Ruhe zu klären. Nachdem wir uns anziehen durften, gings rückwärts Richtung Asphalt und dann flott dem schweizer Polizei-Bulli hinterher. In einer Glaskiste in Burgdorf lag unscheinbar die Wache. Wir sollten warten und sie würden es am Telefon klären. Wir frühstückten erstmal. Dann kam die Polizisten und machte Fotos, da wohl das Konstrukt mit Pick-up und abtrennbarer Wohnkabine nicht allen klar war. Es stellte sich heraus, dass die beiden nun quasi eine Standleistung mit der zentralen schweizerischen Bundeskriminalpolizei unterhielten. Es dauerte. Prophylaktisch hatte ich in der Zwischenzeit das richtige Nummernschild vom Amarok abgenommen und an die Tischer-Kabine gesteckt. Die Polizistin erschien bald wieder und ich bekam ein Handy, um dem freundlichen Herrn in Bern das Fahrzeug und das Wechselprozedere zu erklären. Am anderen Leitungsende hörte ich nun, wie langsam ein Verstehen für den Sachverhalt entstand. Auch räumte ich freimütig ein, dass wir das Wechseln der Schilder einfach vergessen hatten. Nun klang Erleichterung durchs Telefon. Finaler und zeitintensiver Höhepunkt war aber noch der Umstand mit dem fehlenden Siegel auf dem Nummernschild der Kabine. Ich erklärte, dass in Deutschland die Kommune die Siegel ausgibt, aber die Bleche ein privater Dritter verkauft. So kann man auch beliebig Schilder anfertigen! Ich lernte, dass in der Schweiz alle Nummernschildern, auch jene auch auf Anhängerkupplungen aufgesteckte Fahrradträger immer nur die echten und amtlichen haben dürfen. Aha. Also wieder was kapiert. Zum Ende teilte der Telefonmann mir mit, dass ich weiterfahren könne und mir keine Strafe droht. Ich sollte aber ihm nochmal die Kollegin geben, damit die auch in diesem Sinn verfährt! Nichts lieber! Das Telefonat dauerte. Alles wird nun gut, wußte ich und dachte mir, was dauert das. Dann kam das, was ich fast befürchtet hatte. Das falsche und siegellose Schild sollte ich da lassen. Ich begriff es nicht wirklich, da ich davon immer noch zwei besitze und mir jederzeit welche nachmachen könne, aber egal. Dann halt noch mal 20€ in NRW investieren und fertig. Schlussendlich rollten wir nach einer Stunde vom Hof, nicht ohne der jungen Polizistin, die an diesem Tag viel gelernt hatte, noch die Adresse des lokalen schweizerischen ALDIs entlockt zu haben. Tja, hätten wir doch mal im Wasserschlamm das Blechle gesucht; viel Lebenszeit wäre für anderes übrig geblieben. Nee, doch gut, sonst gibt’s ja nie Anekdoten 😊 .

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Gib eine BeschriftDie schweizer Polizeiwache im Berner Oberland