Ein Wochenendtrip zum Six-Nations-Turnier 2018

 

Zu Weihnachten 2017 gabs Tickets zum Freundschaftsspiel-Turnier der europäischen Spitzennationalteams im Rugby für Paris geschenkt. Im Jahre 2016 waren wir zu Rosenmontag auch diesbzgl. mal in Paris, und da das so einfach und stressfrei geklappt hatte, rief das scheinbar nach Erneuerung bzw. Wiederholung.

Rugby ist ein toller, rasanter körperbetonter, aber sehr regelkonformer Mannschaftssport, bei dem versucht wird, den Spielfluß wenig zu stören. Da gute Spiele oder qualitative Mannschaften in Deutschland eher nicht existieren und auch das deutsche TV nichts anbietet, muss man selber schauen, wo man exzellentes Rugby sehen kann. Das jährlich im Frühjahr abgehaltene Six-Nations-Turnier ist da ein guter Tipp. Jede der teilnehmenden Nationen (England, Schottland, Wales, Irland, Frankreich, Italien) hat 3 Heimspiele und wen man aus NRW anreist, ist Paris am einfachsten zu erreichen.

Um das ganze Unterfangen zu komplizieren hatten wir zu dieser Zeit auch einen argentinischen Gastschüler bei uns wohnen, der fanatischer Rugbyfan und – spieler war; dem haben wir auch im Vorfeld ein Ticket besorgen können.

Am Freitag Mittag (02.02.) ging es recht früh aus dem Ruhrgebiet zu dritt mit Hund los. Staus waren keine und so erreichten wir stressfrei die Grenzen zu Belgien, als auch zu Frankreich. Schwierig war nur die Unterkunft. Da Paris im Regen ertrank und Flüsse heftigst über die Ufer getreten waren, musste der von uns anvisierte Campingplatz Indigo leider gestrichen werden. Der Betrieb dort war eingestellt worden. Nun hatten wir den Salat. Kalkuliert war, dass wir die Nacht von Freitag auf Samstag kurz vor Paris – irgendwo bei Senlis – frei und kostenlos verbringen, um Samstag morgens auf dem Pariser CP aufzuschlagen, dann Paris touristisch unsicher machen und abends das Spiel in St.Denis anschauen und mit dem ÖPNV zurückfahren ….

Diese Idee war schon in Teilen früh als unrealistisch verworfen worden. Nach dem Spiel würden zwar noch Metrozüge fahren, aber keine Shuttlebusse mehr zum Campingplatz. Daher war der Plan entstanden, dass wir auf dem Campingplatz die Wohnkabine absetzen und per Amarok zum Stadion fahren. Also im Internet ein Parkticket für das St.Denis-Stadion besorgt, denn das Stadion ist unterhöhlt mit Parkdecks. Kostete auch „nur“ 25€, war aber nur für normal hohe PKWs brauchbar.

Große Krise und Köpfe rauchen. Im Internetz suchten wir Parkplätze, aber alles war zu kurz, eng oder mit unserem Gefährt nicht machbar. Die Vorfreude war schon verpufft. Wir wussten, dass wir nur mit viel Mühe, Aufwand und Glück einen Parkplatz für unser Reimo finden würden, auf dem unser VW auch gefahrlos heil das Spiel überstehen würde. Nun, versuchen mussten wir es. Denn der Pegel der Flüsse waren echt hoch und alles nicht zu ändern.

Da wir gut durchkamen, wagten wir abends den Sprung in die Pariser Vororte. Wir steuerten Sportplätze an, aber es war nichts zufriedenstellend. Dann entdeckten wir ein Hallenbad und fragten dort nach, ob man nachts dort parken könne oder ein Tor alles versperrt. Ja, das Tor würde zu gemacht. Aber der Torwärter wurde informiert und wir konnten da stehen. Eigentlich war ja alles nur als Vorklärung für Samstag Abend gedacht, und nun als alles so gut eingestilt war, ergab es sich, dass wir sogar auch gleich direkt dort nächtigten. Lustig war der Hallenbadmanager, der aus reiner Freundlichkeit auf (!) Englisch das uns alles vermittelt hat. Als er erfuhr, dass wir aus dem Ruhrgebiet kommen und er den BVB-Aufkleber am Wagen entdeckte, strahlten seine Augen und er war voller Adrenalin und rief nur „Jurgen Glop!“ 😎😁

Ruhige Nacht dort verbracht.

 

 

 

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Ruhiger Platz für die Nacht in einem Pariser Vorort

Samstag 03.02.2018

Beim Frühstückt klopfte es an der Tür und wir wurden unfreundlich darauf hingewiesen, dass unser Auto dort fort müsse, denn es sei die Üb- & Prüfstrecke der Motorfahrschule. Wagen umgeparkt, Kabine demontiert und zum Einkauf in den Carrefour in St.Denis gerollt. St.Denis ist uralt und besitzt eine große mittelalterliche Kathedrale. Da dort die französischen König gekrönt wurden, ist dort auch die Grabstätte der Königsfamilie. Sehenswert! Die Sarkophage stehen mitten in der Kirche.

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Saint Denis, Kathedrale

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Grablage der französischen Könige

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Anschließend sind wir in die Pariser Innenstadt aufgebrochen. Leider setzte Nieselregen ein. Unerschütterlich sind wir trotzdem zum Montmartre hoch gelaufen. Die Parkgebühren dort in diesem dicht besiedelten Wohngebiet waren voll happig. Ein Blick auf den Arc de Triumph sowie auf den Eifelturm sollte auch sein, daher fuhren wir es mit dem Amarok an. Am Arc de Triumph drehten wir nen großen Kreis und hätten beim Abbiegen fast nen Crash gebaut. Die Pariser sind da ja schmerzfrei und biegen auch scharf ab! Am Eifelturm reichte es für nen Fotostopp, doch beeindruckender waren die Hochwassermassen der Seine dort. Dann noch kurz günstig Klamotten eingekauft: GAP, ist unser Heim und Hofproduzent.

 

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Montmartre

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Portraits am Montmartre

 

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Irgendwie doch die Verkehrslage unterschätzt und knapp endlich die Tiefgarage unter dem Stadion (Stade de France) in St.Denis erreicht. Sicherheitskontrolle der Wagen machten es noch umständlicher. Das Stadion war mit 74848 Zuschauern ausverkauft und mit 90% Franzosen besetzt.

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Es gab mehrere Einfahrten und ausgeschilderte P2-Bereiche, aber, egal wo man einfährt, man fährt unterirdisch nur zu einem einzigen P2! Bisschen irreführend die Ausschilderung. Wir wollten im Süden einfahren, da wir da auch saßen, unterquerten dann allerdinfs das komplette Stadion mit viel Stau und landeten im Norden – mit viel Zeitdruck und Laufstrecke außenrum zu unserem Sitzblock 😦
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Stade de France

Eindrucksvoll war der Einlauf der Rugby-Spieler, da Flammenwerfer zündeten und Nebelschwaden eingepustet wurden. Gänsehaut überkam uns, als alle die französische Nationalhymne anstimmten. In Deutschland nicht wiederholbar!! Im Spiel, wo 15 gegen 15 Spieler agieren, war es ein taktisches Spiel und fast alle Punkte entstanden nur durch Standards. Die Iren führten früh und bis kurz vor Schluss. Immer durch Straftritte, vergleichbar dem Elfmeter im Fußball zogen die Iren davon. Zur Halbzeit führte Eire mit 9:3! Die Franzosen legten nach. Erst in der 71. von 80 Minuten kam der erste Punkterfolg aus dem laufenden Spiel (Versuch/try) für das Heimteam. Damit zog Frankreich vorbei und die Franzosen waren schon selig. Wenn die Spielzeit um ist, endet das Spiel erst, wenn der Ball im Aus ist oder bei Foulspiel der Schiri abpfeift. Die Iren hatten den Ball ( Ei) und kämpften sich Zentimeter für Zentimeter näher an die Torstangen. Es waren schon über 2 Minuten über die Zeit, als sich ein Ire Mut und Ball nahm und das Ei spontan aus kurzer Distanz als Dropgoal zwischen die Stangen schoss. Er traf. Das Spiel war vorbei, die Franzosen mit 13:15 besiegt und im Stadion war es mucksmäuschenstill. Am Ende der 2018-Serie waren die Iren ungeschlagen und klarer Turniersieger.

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Stade de France, Einlauf der Spieler vor Spielbeginn

 

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Erster Angriff

 

Wir sahen zu, dass wir zügig zum Auto kamen, um rasch zu unserem Wohnaufbau zu fahren. Wir waren schon in Sorge, ob die Kabine noch intakt sei. Leider hat Paris viele Wohnvororte mit sehr ärmlicher, als auch dubioser Bevölkerung. Aber alles war heil und gut.

Sonntag 04.02.2018

Ausgeschlafen und auf den Heimweg gemacht und ohne Staus wieder NRW erreicht.