Donnerstag 26.07.

Ein Supermarkt musste überfallen werden, auch wenn der nächste, der nicht einem Tankstellenshop entsprach, schon 61 km in der falschen Richtung entfernt lag! Mittags – nach langem Ausschlafen – kamen wir in Selfoss an und konnten zwischen drei großen Supermärkten auswählen.

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Da Island mit 350.000 Einwohner so klein ist, werden oftmals Produkte in fremden Sprachen verkauft; beispielsweise hatten auch die Maggi-Suppen deutsche  Titel 

Auch eine isländische SIM-Karte wurde nun erworben, damit wir nicht von der Welt oder bei Notfällen abgeschnitten waren.

Gesagt, getan! Wir haben eine isländische SIM-Karte und können wieder mit der Welt kommunizieren. In einer nahegelegenen Bibliothek hatten wir sogar WIFI und konnten die Fotos für unseren Blog hochladen und losschicken. Lebensmittel und Wasser war neu an Bord gebunkert, wir verließen wieder die Zivilisation und machten uns auf den Weg ins nächste Abenteuer.

Bei wechselhaftem windigen Wetter fuhren wir die Ringstraße 1, wechselten dann zur 30 bzw. 32 und landeten schließlich an der Zufahrtsstrecke zum Haifoss. Langsam kamen wir auf der holprigen Strecke vorwärts und ein heftiger Wind bließ. Endlich angekommen begann auch noch eine dicke Regenwolke sich direkt über uns zu entleeren. Wir kamen kaum aus dem Auto, so stark wehte der Wind. Am oberen Rand des Canyons angekommen, wurden wir königlich belohnt! Zwei größere Wasserfälle stürzen über 128 Meter tosend in die Tiefe. Ein kleinerer war ebenfalls in Sichtweite. Der große Haifoss schafft 5 Kubikmeter (oder 5 Tonnen) Wasser pro Sekunde, einfach gigantisch.

Wir blieben eine Weile im Auto sitzen und siehe da, die Wolke war leer und schüchtern sieht die Sonne um die Ecke, der Wind allerdings ist weiterhin kräftig. Christian ging nochmals mit der Kamera auf die Pirsch und schoss wunderschöne Fotos, das Warten hatte sich gelohnt!

Ursprünglich wollten wir am Haifoss unser Nachtlager aufschlagen, doch der Wind schaukelte unseren Amarok so sehr, dass wir beschlossen wieder Richtung Hauptstraße zu kriechen, fahren war auf der Strecke ja kaum möglich.

Einige Kilometer weiter der Hauptstraße entlang, fanden wir einen geschotterten Platz der wesentlich windärmer war und eine ruhigere Nacht versprach. Es ist nun mittlerweile 21.00 Uhr, bei dem fast taghellem Licht verliert man schnell das Gefühl für die Zeit. …

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Canyon westlich des Haifoss
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Haifoss

Freitag, 27.07.

Ausgeschlafen starteten wir 9.15 Uhr den Tag. Die Sonne schien, wir hatten 15°, es war windstill!

Unsere Fahrt ging weiter nach Norden quer durch das Hochland; über die berühmte Sprenginsandur. Weite Strecken sind nur mit 4×4 befahrbar, Schilder weisen oftmals daraufhin.

Unseren erster Stopp in der kargen und doch abwechslungsreichen Steinwüste machten wir erst gegen Mittag an einer bewirtschafteten Wanderhütte mit tollem Ausblick auf die beiden Gletscher; im Westen Höfsjökull und im Osten der riesige Vatnajölull. Gestärkt ging die Fahrt weiter, wir querten einige Furten und der Weg (F26) war wesentlich besser als vermutet, kilometerweise fuhren wir sogar 90/kmh. Im Rückspiegel sahen wir blauen Himmel und die Staubwolke, die wir hinterließen.

Immer wieder kamen uns Fahrzeuge verschiedenster Art entgegen und wir passierten problemlos aneinander. Einmal jedoch krachte es. Jutta fährt auf den leicht aufgehäuften Seitenrand um einen entgegenkommenden Toyota Hilux mit Wohnkabine vorbei zu lassen. Wir standen leicht schräg zur Seite geneigt und der Toyota fuhr recht zügig an uns vorbei und ratschte mit seinen abstehenden Kunststoffteilen an unsere Kabine. Wir stiegen alle aus und begutachten den Schaden. Einige Streifen und eine leichte Macke war und ist am hinteren Ende der Kabine bei uns zu sehen. Das Holländer-Ehepaar (wie sich später herausstellt) hat nicht eine Macke am Gefährt. Zunächst fotografierten wir den Schaden und fingen an einen Unfallbogen (das Auto mit Kabine der Holländer war gemietet) der Holländer auszufüllen. Kurzentschlossen brachen wir die ganze Sache ab und verzichteten auf den Unfallbericht wünschten den beiden eine gute Reise und fuhren mit unserer „Macke“ bzw. Unikaten weiter.

Zwischendurch musste Jutta immer wieder mal anhalten, damit Christian die Dimension der Weite, der Gletscher und diese irre Steinwüste mit dem Quadrocopter filmen konnte und natürlich auch einige Male das Furten. Unser heutiges Ziel war das Laugafell, eine warme Quelle in der wir uns relaxen und anschließend die Nacht verbringen wollten.

Die Preise veranlassten uns den Plan zu ändern, Christian stieg für 500 ISK (umgerechnet knapp 4,30€) ins warme Bad, den geschotterten Parkplatz, der als Campingplatz ausgewiesen war (es gab nur ein WC, keine Dusche und den Müll mussten wir auch wieder mitnehmen) und mit 2.000 ISK pro Person (umgerechnet € 16/p.P.) ins Budget fiel, ließen wir links liegen und fuhren noch einige Kilometer weiter (F881) und fanden ein windiges Plätzchen neben eine Nothütte für Wanderer auf einer Anhöhe.

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Neben der F26
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Sprengisandur
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Sprengisandur mit Vatnajökull

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Sprengisandur
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Kollision auf der Sprengisandur, Fahrbahn so schmal, dass die beiden hohen Wohnkabinen sich oben touchierten
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Sprengisandur

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Sonnenuntergang östlich von Laugafell, an der F881

 

Samstag 28.07.

Wir machten die Augen auf und sahen nichts. Wir rieben uns die Augen, es wurde nicht besser. Um uns Nebel bzw. die Wolken lagen auf. Unser Wagen stand auf etwa 600m Höhe. Wir stiegen früh runter in die Fahrerkabine und holperten 80 Minuten nordwärts, wo wir im Trockenen an einem imposanten Wasserfall stoppten. Frühstück und dann runter zur Basaltabbruchkante. Der Foss fällt 7/8m in einen Kessel und ringsum stehen senkrecht noch die Basaltstrukturen. Naturgeometrie in 3-D. Wir konnten es ganz alleine genießen, die nach uns kamen, und das waren etliche sahen das Naturwunder dann im Regen bzw. später in den Wolken fast gar nicht mehr. Wir blieben im Regen dort und chillten. Am Nachmittag setzten wir unsere Abfahrt gen Norden fort und unterbrachen an – natürlich, wie konnte es anders sein – einem Wasserfall unsere Reise kurz. Auch hier waren wir bereits mal und bekletterten daher die für uns noch unbekannte Ostseite. Immer noch schön. Ein breiter und sehr kräftiger Wasserfall: Godafoss.

Danach wurde es sehr unurlaubig 😉 Hausputz etc. stand an. Wir tankten an einem Tankautomaten, was anderes gibt es kaum in Islands dünn besiedelten Regionen. Konnten Frischwasser bunkern und unser Auto abschrubben. Das ist eine Spezialität in Island. Man fährt dort viel Schotterpiste und hat verdreckte Autos, daher gehört es hier zum guten Ton, seinen Wagen immer äußerlich rein zu halten. Wir schrubbten auch den Dreck der letzten Tage ab. Nebeneffekt, wir konnten endlich auch mal unseren Müll entsorgen, da das im Hochland gar nicht ging. Man musste immer alles mitnehmen. Irgendwo zwar klar, da dort keine Müllabfuhr herkommt, aber doch nervig, seit Tagen den Hausmüll – mit Geruchsnote – mitzuschleppen. Den Wagen bugsierten wir noch über einen Bergsattel und einmal kurz durch die Wolken und waren danach in einer anderen grünen Welt. Landwirtschaft mit grünen Feldern, Schafen auf den Wiesen, kleinen weißen Häuschen mit roten Dächern. Kurz vorm Myvatn-See stoppten wir bei einem Aussichtspunkt, genossen die Ruhe und den einmalig schönen Blick auf die umliegenden Berge im dämmerigen Licht. Christian liessss nochmal den Quadrocopter in die Lüfte um einen weiten Eindruck von der Landschaft zu erhaschen. Per Videobotschaft gratulierten wir um 0.00 Uhr unserem Jüngsten zum 20.ten Geburtstag und starteten die Nachtruhe. Nachts war sogar kaum Verkehr auf der Ringstraße.

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Aldeyjarfoss
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Aldeyjarfoss
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Godafoss
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Bauernhöfe

 

Sonntag 29.07.

Früh am Morgen aufgewacht und den blauen Himmel bestaunt, die Temperaturen lagen bei 15°, Tendenz steigend! Also ging Jutta erst mal eine Runde Joggen. Nach dem Frühstück fuhren wir weiter Richtung Osten zur Grjotagja-Höhle, in der über 40° heißes Wasser stand. Anschließend besuchten wir erneut Dimmuborgir. Hier wohnen die Trolle in alten erkalteten Lavatürmen.

Da wir uns nah der Ringstraße 1 befanden, waren alle Sehenswürdigkeiten auf der Strecke touristisch überlaufen. Im Reiseführer wurde auf die Bademöglichkeiten in den heißen Quellen etwa 3 Kilometer weiter hingewiesen, aber auch hier hat der Kommerz bereits zugeschlagen, die Bäder befanden sich draußen neben einer Restaurant-Anlage und der Eintritt pro Nase betrug ISK 5.000,– (umgerechnet etwa 40 €)!!! Also fuhren wir unverrichteter Dinge weiter. Unser nächster Stopp war Hverarönd, ein geothermales aktives Feld mit sprudelnden und blubbernden Schlammbassins, Schwefelausdünstungen und dampfenden Kegeln. Ein Naturschauspiel, das man erlebt haben muss! Dann nahm uns die Ringstraße bis zum Abzweig zur Piste F88 wieder auf, auf die wir abbogen und uns in eine neues 4×4-Abenteuer wagten. Teilweise war die Piste gut und lud zum zügigen Fahren (70/80 kmh) ein, um uns dann direkt nach der nächsten Kurve oder dem nächsten Blindhead (nicht überschaubarer Hügel) zur Bremsung oder abrupten Ausweichmanöver zwang, da sich tiefe Schlaglöcher auftaten oder dicke Lavastücke aus dem Erdreich ragten. Zwei größere Furten waren zu queren, eine davon hatte als Orientierung ein dickes Tau von Ufer zu Ufer gespannt. Weiter durch ein Feld mit tiefem Sand. An einer Brücke über einen reißenden Strom legten wir ein Fotostopp ein und sortierten die Kabine wieder neu, alles was nicht Niet- und Nagelfest war, flog kreuz und quer (es hatten sich auch schon Mülltüten und Kaffeedosen, Salzstreuer und Chiasamenbehälter entleert ;-))

Weiter ging es viele Kilometer über eine sehr gute Piste, das Gebiet um Herdubreid war wie ausgestorben, wir sahen weder Tiere noch Pflanzen, nur hohe Berge aus Lavaasche und Geröll….. 17 Kilometer vor der nächsten Hütte bei Snaefell fanden wir eine „Parkbucht“ an der F902 in die wir uns für diese Nacht zurückzogen. Draußen rüttelte der Wind unsere Kabine sanft hin und her und wolkenweise regnete es. Die Nacht war einsam; nach uns fuhr nach niemand mehr die Piste. Aus dem sanften Wogen wurde nachts ein stürmisches ruckartiges Ruckeln 😦

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Grjotagia-Höhle
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Lavatunnel im Dimmuborgir
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Hverarönd
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Mudpool im Hverarönd

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Hverarönd
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Fumarolen im Hverarönd
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Herdubreid neben der F88
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Leben im Aschesand, neben der F910

 

Montag 30.07.

Es waren 6°C als wir von einem vorbei rauschenden PKW um 07.45 Uhr geweckt wurden. Rasch erhoben wir uns, bevor noch ein Ranger vorbeikommen würde und uns unlieb auf das nächtliche Campierverbot hinweisen könnte. Gegen 08.30 Uhr erreichten wir dann durchgeschüttelt und nicht gerührt, die Hütte bei Kverkfjöll direkt neben dem sagenhaft riesigen Gletscher Vatnajökull. Die Enttäuschung war groß. Die Strecke zum Endziel Gletscherhöhle war ab dort gesperrt! (Wie sich später herausstellte war sie wegen Hochwassers seit gestern geschlossen worden) Planänderung. Frühstück und da die Sonne durch die Wolkendecke lugte, wurde in die Stiefel gesprungen und wenigstens ein kleiner Walk zum Eisrand gestartet. Eigentlich stand irgendwo etwas von 500 m Entfernung, dann stand da aber auch etwas von 3 km. Egal. In knapp einer Stunde stand Christian dann am kleinen Gletscherzungenfinger. Von der Eishöhle keine Spur. Trotzdem war es beeindruckend, da zusätzlich der Himmel auch aufriss.

An der Hütte richteten wir unseren Wagen neu aus. Die Strecke forderte die Konstruktion doch sehr. Wir versuchten erfolgreich und trickreich den Druck auf unsere Luftfedern zu erhöhen. Somit schlägt die Kabine nicht mehr auf das Fahrwerk auf. Einige Streckenabschnitte über Lavasteinfelder waren sehr ruppig. Vor 12.00 Uhr machten wir uns auf den Rückzug auf. Über die F903 gings schleppend langsam – manchmal nur im ersten Gang – nördwärts. Die F910 war sofort breiter und besser ausgebaut. Es ging zügiger und meist ruckelfreier weiter, d.h. auch mal mit 60/80 kmh. Ein paar harmlose Furten waren schnell gemeistert und bald kam der Abzweig zum warmen Wasserfall. Der liegt knapp 100 m neben dem Parkplatz und mündet in einem kleinen Becken. Dort räkelten sich schon ein paar andere Traveller und wir genossen das wohlig warme Wasser, es hatte perfekte 36,3°C. Die Luft war natürlich kühler, aber da trocknet man sich halt schneller ab. Den Wagen dort so geparkt, dass der Wind kein leichtes Spiel mit ihm hatte und in der Stille und Einsamkeit die (schaukelfreie & leise) Nacht bei den Schafen dort genossen.

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Lavafeldpassage auf der F902
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Vatnajökull
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Gletscherkuppe auf einem Nebenarm des Vatnajökull

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Warmer Wasserfall bei der F910

 

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