Dienstag 31.07.

Noch vor den anderen Gästen, dem Frühstück und 09.00 Uhr wieder im heißen Pool gesessen. Es war ein Traum. Über etliche Pistenkilometer gings nach der morgendlichen Stärkung dann Richtung Ringstraße 1 zurück. Die Sonne kam immer mehr durch die Wolken hindurch. Neben der F923 ist seit einigen Jahren ein Canyon zutage getreten, der einen Stopp und Abstieg Wert war. Durch den Bau eines Staudamms zwecks Stromgenerierung ist der Durchfluß des Stroms erheblich reduziert. Nun ist der Blick auf eine ausgeschliffene enge Basaltsteinschlucht möglich. Es ist zwar wegen der Abrutsch und Todesgefahr sehr gefährlich, aber atemraubend bezaubernd.

Über die asphaltierte Ringstraße gings dann richtig zügig weiter nach Egilsstadir. Dort war der Besuch des „blauen“ Netto Discounters dran, WIFI abgreifen und auch das Nachfüllen des Diesel durfte nicht fehlen. Der Versuch beim „Klinikum“ bzw. Arzt wegen Christians seit einer Woche anhaltender Schienbeinmuskulaturschmerzen vorstellig zu werden war nicht so einfach. Da ja kein Notfall vorläge, würde an diesem Tag nichts mehr gehen. Erst am Folgetag gegen 0940 Uhr hätte jemand Zeit! Also parkten wir im Umfelds Egilsstadirs, da die CP-Kosten uns zu astronomisch waren. Mit Lesen und Chillen kann man auch bei Sonnenschein gut einen schönen Urlaubstag verbringen.

Ungewöhnlich: Heute fiel nicht eine Tropfen Regen auf uns – nur die Spritzfontänen beim schnellen Queren der flacheren Furten 😉

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Studlagil-Canyon
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Studlagil-Canyon
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Isländische Spezialität – Brücken mit nur einer Fahrspur

 

Mittwoch 01.08.

Ruhige Nacht genossen und so aufgebrochen, dass der Termin beim Doc nicht in Gefahr geriet. Beim HSA ist alles unter einem Dach. Lokaler Arzt, kleine Klinik, Altenheim, Sozialstation, … Exakt zur bestellten Uhrzeit wurde ich per Vornamen aufgerufen und mein Arzt (?) stellte sich mit Tomas vor. Es gab eine lustige längere Fachsimpelei auf Englisch und da Tomas so jung war und mein geschwollenes Bein und meine Erklärung nicht so richtig klassisch in eine Theorie passten, waren dann drei Mediziner bei mir zugange. Das brachte aber nicht genug Klarheit und sie holten den Senior Doctor hinzu. Der war dann vielleicht schon 35 Jahre alt 🙂 Am Ende hieß es, Ruhe halten, Salbe nicht mehr nehmen und fleißig 400er-Ibuprofen gegen die Entzündung futtern.

Endlich konnte der Motor wieder gestartet werden und bei bester Sonne rollten wir gen Südosten auf der Ringstraße. Über die 931 kürzten wir durch die Berge mit 17%-Steigung wieder ab; die Strecke ist ein Traum, auch wenn der Asphalt fehlt. Man fährt in die Wolken und kommt auf der anderen Seite in richtig geschichtete grüne Bergstrukturen aus ehemaligen Lavaschichten raus. Dahinter öffnet sich ein sehr breites von Gletschern ausgeschliffenes Fjordtal. Bei Hvalnes machten wir eine Stippvisiste am schwarzen Strand. Dieser bestand aus winzigen runden Kieselsteinen. Das Meer war ruhig und hinter uns waren in der Sonne die hohen Berge beschienen, in denen sich die Wolken zwecks Überflug auflösten. Ein tolles Schauspiel. Der Besuch der Strandpartie von Stokknes fiel aus. Für den „Zutritt“ zum Strandabschnitt wollte der Landbesitzer glatt pro Person 6,40€ kassieren. Nebenbei betrieb er noch ein Cafe, der Laden war recht gut gefüllt, trotz der saftigen Preise (eine gebackene Waffel kostete 1.100 ISK = ca. € 8,80!!!) Moderne Wegelagerei. Mit uns nicht, wir drehten um und steuerten Höfn an. Dort gingen wir Lebensmittel shoppen. Dann packte uns sogar der Übermut und wir betraten erneut einen Vinbudi. Dort erhält man echten Alkohol mit mehr als 3%. Wir erwarben 3 Liter einfachen italienischen Rotwein und zahlten eigentlich zu viel, egal, man muss ja auch leben …. Nachts fanden wir ein Örtchen beim Hafen mit Maschinengeräuschen und etwas rumpelig für uns. Egal, wir hatten ja die Augen zu 😉

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Schöne Berg- und Talfahrt – Straße 939
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Neben der 939

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Fjordberg nördlich der Ringstraße

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Berge neben der Küste bei Hvalnes
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Hvalnes
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Upcycling in Höfn
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In einem „Alkoholgeschäft“

 

Donnerstag 02.08.

Schon vor 08.00 Uhr lief der Motor, wir wollten früh los und nach (Frühstück und ) ein paar Fotostopps erreichten wir kurz nach 10.00 Uhr Jäkulsarlon. Wir waren bei weitem nicht die Ersten! Dort treiben die Eisberglein des Vatnajökull in den Nordatlantik. Es war bedeckt, trotzdem schossen wir eine erste Salve Fotos am See und auch am mittlerweile sogenannten Diamond Beach. Dorthin treiben die dicken Eisblöcke durch den Gletscherfluss ins Meer und sind sehr fotogen. Das Abbrechen, Drehen sowie das Treiben des Eises machen den Ort zu einem sehr magischen und abwechslungsreichen Fotoshootingspot. Auch einige Seehunde tauchten neugierig ihre Köpfe aus dem Wasser um dann schnell wieder unter zu tauchen und tauchten an anderer Stelle wieder auf. Schon nach 1 – 2 Stunden sah es im Gletschersee/Fluss und am Strand wieder ganz anders aus, Eisblöcke stießen zusammen und zerbrachen, schmolzen oder drehten sich. Manche Eisblöcke glichen mit etwas Phantasie Tieren …. Leider stürzte Christian die Nikon-Kamera samt Stativ um und ging dabei zu Bruch. Nachmittags wurde es sonnig und freundlicher und wir erkundeten erneut die Gegend, anschließend stellten wir den Wagen direkt an den Strand mit schwarzen Sand um.

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Jökursarlon
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Jökursarlon
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Jökursarlon
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Strand der Eisberge südlich des Jökursarlon

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Jökursarlon
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Jökursarlon

 

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Ringstraße mit Jökursarlon
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Eisstück am Strand, auch Diamond Beach genannt 

 

Freitag 03.08.

Beim ersten Blinzeln am Morgen im Alkoven, schaute schon die Sonne herein. Die neu angespülten Eisblöcke funkelten bereits. Jetzt machte der Diamand Beach seinem Namen auch alle Ehre. Mit diesem famosen Blick ließ es sich fürstlich frühstücken. Ein Walk auf und ab, dann rollten wir weiter die Ringstraße Richtung Westen. Mal lockte die eine oder andere namenslose Stichstraße uns vom Weg ab, meistens wurden wir mit toller Natur belohnt. Der Ausflug zum Fjallsarlon war besonders beeindruckend, da er nicht so voller Menschen wie der Jäkursarlon war und auch die Gletscherabbruchkante viel näher lag. Mittags erreichten wir den Skaftafell-Nationalpark und stoppten vor der Einfahrt. Hier waren wir nicht bereit fürs Parken wieder zu löhnen. Daher parkten wir 200m vorm Zaun und stärkten uns mit einem Mittagessen. Danach stiefelten wir zum Svartifoss. Ein kleinen Gang stetig den Hügel rauf. Oben gab´s einen tollen Ausblick über einen schmalen Fall, der in einen Halbkessel aus senkrechten schwarzen Basaltstelen fiel. Eine tolles Ensemble, dass leider ganz viele gleichzeitig sehen wollten. So ist das, wenn man in der Hauptreisezeit unterwegs ist 😦

Kaum waren wir wieder im Wagen, da fing der Regen an, der stundenlang auch nicht enden wollte. Vor Kirkjubaerklaustur machten wir es uns neben ein paar Islandpferden für die Nacht gemütlich, aber da waren wir unerwünscht, wie uns das heftige Gehupe der vorbeifahrenden Autos kundtat. Daher wieder in den VW, weiter gerollt und auf der Pirsch nach einem geraden, leisen, unauffälligen und schönen Stellplatz gemacht. Beim Flugfeld von Kirkjubaerklaustur wurden wir fündig. Kaum hatten wir eingeparkt und die Kabine betreten, hielt neben uns ein Pick-up. Wir erwarteten nun angezählt zu werden, da es in Island nicht erwünscht ist frei zu stehen. Doch nachdem noch ein weiterer Pkw ankam, stiegen nur Hundebesitzer aus, die sich hier verabredeten hatten für die gemeinsame Hunderunde.

Wir lieben es frei zu stehen, mitten in der Natur, unabhängig und möglichst allein. Die Preise hier in Island für die Übernachtung auf einem „Campingplatz“ sind astronomisch, zumal es kaum bis gar keine Gegenleistung dafür gibt. Oftmals handelt es sich um einen geschotterten Platz auf dem höchstens eine einfache Hütte steht, mit etwas Glück ist ein Waschhäuschen und/oder ein Raum mit Kochgelegenheit und einem Spülbecken dabei.

Am Anfang unserer kurzen Wanderung zum Svartifoss lag neben einem großen Parkplatz auch ein großer gepflegter und begrünter Campingplatz mit einem richtigen Sanitärhaus und Stromanschlüssen auf den Stellplätzen, wir wollten gar nicht wissen, wie viel es kostet hier zu stehen, der hatte für Island bestimmt *****.

Nun aber standen wir auf „unserem Übernachtungsplatz“, umgeben von Grünflächen, mit Blick auf den Fluss, draußen regnete es in Strömen, in der Kabine war es schön warm, trocken und gemütlich, bei einer (teuren) Flasche Wein beendeten wir den Tag.

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Gletscherzunge am Fjallsarlon 
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Gletscherzunge am Fjallsarlon 

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Gletscherzunge & Eisschollen am Fjallsarlon 

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Svartifoss, schwarzer Wasserfall in Basaltsäulen

 

Samstag 04.08.

Wir konnten es kaum fassen. Gestern Wolkenbruch, heute fast wolkenfreier Himmel. Sonne pur. Gegen Mittag suchten wir die „Justin Biber Schlucht“ auf. Den echten Namen kann sich niemand merken. Aber seit dem im Song die Szenerie publik gemacht wurde, wimmelt es hier vor Leuten! Oder kann sich jemand Fjadrargljufur merken oder aussprechen? Eine relativ enge und einige hundert Meter lange Schlucht, deren Seiten turmartig angeordnet sind, sehr fotogen. Wir marschierten auf dem Höhenweg vorbei und genossen die Ausblicke. Natürlich wurde auch die Drohne gezündet und durch das Flußtal gesteuert. Beim zweiten Flug geschah das Desaster. Der Rückweg war für die Drohne aufgrund des starken Windes nicht mehr möglich und sie kehrte nicht zurück. Die stundenlange anschließende Suche, auch unter Zuhilfenahme zahlreicher Hinweise von Besuchern und freundlichen Mit-Suchender führte zu der Erkenntnis, dass der „Papagei“ wohl im Fluß gesunken und mit der starken Strömung fortgespült worden ist.

Auf zu neuen Taten. Wir steuerten nun die Laki-Region an. Über eine Piste und dem queren einiger Furten erreichten wir am späten Nachmittag den Vulkan Laki. Dieser und die 27 km lange Spaltenregion brach 1783/4 aus und sorgte in Europa für kalte Sommer und Hungersnöte, die sogar mittelbar quasi die Französische Revolution auslöste. Wir kraxelten einmal hinauf, nahmen die irren Ausblicke auf die umliegenden Gletscher und die Vulkanspalten wahr und waren vom Farbspiel der Sonne hin und weg. Durch Aschefelder, Moosareale und Lavafelder setzten wir unseren Kurs fort. Besonders spannend war die Passage neben dem Fluß Skafta. Denn dieser war so über die Ufer getreten, dass er auf mehrere hundert Meter breite anschwoll. Grund war eine geothermale Aktivität unter dem Gletscher die so viel Eis-Masse frei gesetzt hat. Für die Wanderer gab´s auch eine Warnung vor Schwefelgasen, die damit verbunden auch in der Luft auftauchen konnten. Die Rückfahrt unternahm Christian wieder, der damit seine seit Tagen dauernde Beifahrertätigkeit wieder aufgab; das Bein ist wieder leidlich ok. Kurz vor der Ringstraße parkierten wir nach 21.00 Uhr und haben den Abend bei leckerem Weißwein beendet.

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Die „Justin-Biber-Schlucht“ oder Fjadrarglufur
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Fjadrarglufur
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Irgendwo auf dem Weg zum Lakikrater
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Lakispaltenregion
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Lakispalte
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Lakispalte
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Lakispalte

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Sonntag, 05.08.2018

Immer noch nebelig wie abends zuvor und unter 10° wurden wir nach dem Frühstück vom Ranger darüber informiert, dass das Übernachten im Camper außerhalb von Campingplätzen nicht erlaubt ist. Wir bedankten uns freundlich für den Hinweis und verließen schneller als geplant den Platz. Auf der Ringstraße ging es weiter Richtung Westen mit Ziel Landmannalaugar. In dieser wunderschönen Landschaft, in der wir bereits von 9 Jahren verzaubert wurden und wanderten, wollten wir ein weiteres Mal wandern. An der Abfahrt zur F208, die Zufahrtsstrecke ins Outback war bereits nach einigen 100 Metern an einer Brücke gesperrt, der bereits gestern erwähnte Gletscherfluss-Ausbruch hatte das östliche Brückenelement unterspült. Christian eruierte schnell per Google-maps eine andere Zufahrt und schon ging´s weiter. Auf dem zweiten Weg überdie F209 zu Landmannalaugar kamen uns viele Autos entgegen, rechts und links der geschotterten Straße war bereits Land unter, was uns schon ein wenig stutzig machte, aber wir setzten zuversichtlich unsere Fahrt fort. Erst als uns das zweite Auto anblinkte, hielten wir an uns ließen uns von einem „Umkehrer“ erklären, dass die Straße ebenfalls bedingt durch das hohe Wasser gesperrt sei. Unterwegs verfütterten wir noch unseren letzten Apfel an drei bezaubernde Islandpferde, die neben der Straße standen.

Also Planänderung, die Fahrt ging weiter auf der Ringstraße über Vik zum Reynisfjara-Strand. Die Fahrt hatte es in sich, erlaubt waren 50 h/km und Warnungen vor Windböen. Bereits nach den ersten Kurven hielten wir uns brav daran, der Wind war unglaublich heftig. Am Ziel angekommen erwartete uns eine Felsengrotte aus Basaltsteinen umrahmt von schwarzem Stand. Der Wind und die Wellen tobten um die Wette, und trieben uns schneller als erwartet zum Auto.

Wieder zurück auf der Ringstraße fuhren wir zum Kap Dyrholaey, ein gewaltiges Felsentor, mitten in der Brandung, auch hier war der Wind kaum auszuhalten. Da es schon häufiger vorgekommen ist, dass durch den heftigen Wind Autotüren ausgerissen sind, gibt es bei Leihautos den Hinweis, dass die Versicherung hierfür nicht haftet. Seit heute lächeln wir nicht mehr über diese isländische Besonderheit!!

Unser nächstes Ziel war nun der Skogafoss, ein gewaltiger Wasserfall, der schon von weitem durch seine Wasserwolken zu erahnen ist. Um den evtl. anfallenden Parkgebühren zu entgehen, parkten wir bereits 500 Meter vor dem offiziellen Parkplatz und gingen über saftig grüne weiche Wiesen zum Foss. Unten konnte man sich dem 62m hohen Foss bis auf einige Meter nähern, wurde aber durch das aufgewirbelte Wasser direkt nass, Fotos waren dort leider aus dem gleichen Grund nicht möglich. Die nächste Option war ihn von oben zu bestaunen. Da waren wir doch froh Sportler zu sein, die ersten Stufen waren enorme Knieheber, die 527 Stufen danach aber nicht weniger schweißtreibend. Oben angekommen wurden wir durch einen schönen Blick auf den Fall und ein herrliches Panorama mit Sonne belohnt. Nun waren wir der Aktivitäten müde und suchten wieder (länger) mal ein ruhiges Plätzchen für die Nacht. Mal schauen ob uns jemand entdeckt 😉 (Nein, wir waren unentdeckt geblieben!)

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Reynisfjara

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Basaltstäbe am Reynisfjarastrand
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Reynisfjara
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Reynisfjara
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Kap Dyrholaey

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Skogafoss
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Oberhalb des Skogafoss

 

 

 

 

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