Am Nachmittag (12.04.2019) begaben wir uns auf unsere Osterreise in die Ukraine. Zwischen Paderborn und Kassel begleitete uns stellenweises Schneetreiben. In Grimma verließ uns die Lust an der Weiterfahrt und wir nächtigten Nahe der Autobahn, gegenüber des THW.

Morgens ging es weiter nach Bautzen, unserem ersten Ziel. Nach einem Bummel durch die Stadt, die eine sehenswerte Altstadt und eine Kirche mit einem Knick im Hauptschiff hat, schlenderten wir zurück zum Auto und setzten unsere Reise fort, weiter nach Breslau. Kontrollfrei passierten wir die Grenze.

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Bautzen

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In Breslau war unser ursprünglich geplanter Campingplatz noch geschlossen und wir wichen auf einen bewachten ruhigen Parkplatz mitten in der Stadt aus, von wo aus wir fußläufig alle Sehenswürdigkeiten erreichten. Besonders die reichverzierte Aula der Universität, sowie die unzähligen Kirchen und das beeindruckende gotische Rathaus, der Marktplatz mit seinen bunten Häusern faszinierten uns.

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Breslau, Rathaus

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Breslau, Spuren des Sozialismus`

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Weiter ging es am Sonntagnachmittag nach Krakau. Vor der Stadt suchten wir bereits in der Dämmerung längere Zeit nach einem geeigneten Übernachtungsplatz. Den fanden wir in einer ruhigen Wohnstraße. Am Morgen brachen wir früh, ohne Frühstück auf nach Krakau. Dort erreichten wir den Stellplatz bei einem Wohnmobilhändler zeitnah. Direkt vor dem Gelände befand sich die Bushaltestelle, von wo aus uns der Bus für umgerechnet 0,70 € p.P. in 15 Minuten nach Krakau fuhr. Zuerst besichtigten wir den Wawel, die ehemalige Königsburg mit der Schlosskirche. Von dort bummelten wir zum imposanten Marktplatz. Dort lauschten wir dem stündlich erklingenden unvollendetem Posaunenstück des Turmwächters. In Erinnerung an einen Angriff, während dessen ein mittelalterlicher Turmwächter mitten im Musikstück getötet wurde. Anschließend schlenderten wir zum Barbakane und speisten in einem kleinen einfachen Restaurant leckere Piroggen. Leider hatte das Collegium Maius, die Universität, schon geschlossen. So beendeten wir unseren touristischen Krakau Tripp und fuhren zurück zum Reimo. Dort angekommen kompensierten wir die kalorienhaltigen Piroggen mit einem Lauf an der Weichsel. Der neue Tag brachte eine unvorhersehbare Änderung unseres Tagesplanes. Unser Jacky hat sich beim Bällchen holen eine Kralle verletzt, die einer tierärztlichen Versorgung bedurfte. Schnell fanden wir einen ansässigen Tierarzt, der sich der Problematik ausgiebig annahm, wir zahlten erstaunlicher Weise, trotz der langen und ausgiebigen Behandlung nur umgerechnet knapp € 25. Danach endlich ging es nochmals mit dem Bus in die Stadt um die noch ausstehenden Punkte, wie das jüdische Viertel, die darin befindliche Synagoge und auch endlich das mCollegium Maius zu besichtigen. Das Maius buchten wir mit Führung schon vormittags für nachmittags in deutscher Sprache. Sehr empfehlenswert! Wie kann es anders sein, wir aßen nochmals lecker polnisch, diesmal in einer einfachen Kantine in der Fußgängerzone, sehr lecker und günstig.

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Krakau, Kathedrale am Wawel

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Krakau, Synagoge

Nochmals beim Womo-Händler nächtigend, setzten wir unsere Reise am nächsten Morgen Richtung Galizien fort. Nach einem Zwischenstopp in Przemysl standen wir an der Außengrenze der EU und begehrten Einlass in die Ukraine.

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Przemysl, östliche Stadt Polens
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Außengrenze der EU, hier ukrainischer Wachturm

 

Nach nur 100-minütiger Wartezeit erhob sich der polnische Schlagbaum, wo es nicht lange dauerte. An der ukrainischen Kontrolle verweilten wir umso länger. Wir mussten insgesamt drei Stellen durchlaufen. Dier erste Kontrolle war die Inaugenscheinnahme des Fahrzeugs, danach kam die Passkontrolle und letztendlich die Zollkontrolle mit Erteilung der Einfuhrgenehmigung des Womos, nicht ohne noch eine Straßennutzungsgebühr in Höhe von umgerechnet ca. 10,00 € bezahlen zu müssen; wichtig ist auf dem nachher abzugebenden Laufzettel 3 Stempel zu besitzen, sonst wird man nicht ins Land gelassen. Die ukrainischen Grenzen nahmen sich eine Stunde Zeit für uns … Zwar stellten wir unsere Uhren um eine Stunde zurück, fühlten uns aber um mehrere Jahrzehnte zurückversetzt, als wir überraschend nach wenigen hundert Metern komplett goldene Kirchdächer und Zwiebeltürme erblickten. Neben einem Kunstrasenplatz auf denen die Jugendlichen Fußball spielten, pflügte ein Mann mit einem Pferd den Acker. Neben der einspurigen gut ausgebauten Europastraße nach Lwiw bemerkten wir mehrere bewohnte Storchennester und überholten hier und dort Pferdewagen am Straßenrand.

In Lwiw wechselten wir erstmals klassisch an einer Wechselstube Euro-Banknoten in die ukrainische Landeswährung. Über abenteuerliche Kopfsteinpflasterstraßen erreichten wir unser erstes Ziel, einen auf IOverlander beschriebenen bewachten Parkplatz in einem Wohngebiet. Am nächsten Morgen erreichten wir nach wenigen Gehminuten die historische Altstadt. Sportlich nahmen wir die vielen Stufen auf den Rathausturm, der unsere Anstrengung mit einer unseren Erwartungen gerechten Aussicht belohnte. Unser nächstes Highlight war das Opernhaus. Für etwas mehr als umgerechnet einen Euro p.P. schlichen wir durch das wunderschön verzierte Gebäude. Zunächst gelangten wir in einen kleinen Konzertsaal mit Flügel und allerhand Gemälden an den Wänden und zogen dann weiter in das Innere, den Theaterraum. Wie in alten Filmen standen wir auf dem Balkon und blickten rechts und links von uns in die einzelnen Logen, die alle mit rotem Samt ausgeschlagen waren. Unten auf der riesigen Bühne probten gerade die Opernsänger zusammen mit dem Orchester. Nach soviel Kultur, kam der Kulturschock. Der Krakauer Markt, auf dem man an unglaublich vielen Ständen Anglerzubehör kaufen konnte, bot neben diversen Textil- und Haushaltsständen, in einem Hinterhof nur wenige Tage alte Babykatzen und Hundebabys zum Verkauf an. Der olfaktorische Höhepunkt war die Fleischhalle, die langen Reihen der Händler mit ihren feilgebotenen Fleischstücken und Innereien sind ungekühlt und auf einfachen Tischen halt nicht jedermanns Sache. Uns erinnerte dies an orientalische Basare. Auf dem riesigen quadratischen Marktplatz suchten wir uns unter den vielen Restaurants rund um den Marktplatz ein sonniges Plätzchen draußen aus. Speisten ausgefallen und angenehm preiswert.

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Wichtig sind die drei Stempelein, sonst gelingt die finale Ausreise nicht, wo auch diese Zettel wieder eingesammelt werden
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Lwiw, am Markt
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Begehbarer Rathausturm in Lwiw

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Luhansker Frieddhof in Lwiw

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Ukrainischer Kleinbauer pflügt seinen Acker mit 2 PS, dass Fohlen hatte Freigang

Am folgenden Tag querten wir die Weite der Ukraine, passierten endlos lange Ackerflächen auf einer überwiegend vierspurigen Schnellstraße. Mit der Dämmerung erreichten wir die Vororte von Kiew. Nach etwas nervenaufreibendem Suchen fanden wir einen im Internet beschriebenen bewachten Parkplatz direkt vor einem Hotel. Eigentlich hätte uns der Name schon warnen müssen, das Hotelrestaurant hieß „Dakar“, es liegt direkt an einer Rennstrecke, welche wir allerdings erst an unserem Abreisetag im vollen akustischen Ausmaß erfuhren. In der Nacht hielt uns ein bellender Hotelhund vom Durchschlafen ab. Um den Menschenmassen in den sog. Höhlenklostern zu entgehen, stellten wir uns früh den Wecker und fuhren mit dem Bus und der Metro in die Innenstadt; die Fahrtkosten p.P. und Strecke betrugen umgerechnet ca. 0,26 Euro. Wir begannen mit der Besichtigung der beiden Höhlensysteme unter den Kirchengebäuden der Unteren Larwa; dafür musste man steile und enge Gänge hinabsteigen, die nur mit spärlichem Kerzenlicht erleuchtet waren. In den verwinkelten Gängen waren Kapellen integriert und etliche Glasvitrinen mit Särgen von Heiligen postiert. Durch den Komplex der oberen Larwa schlendernd, gingen wir wieder Richtung U-Bahn-Station. Diese Metro-Station, heißt Arsenalna und ist besonders weit unten, wie es heißt, soll es die tiefste Europas sein, die Fahrzeit der beiden kombinierten Rolltreppen bis zum Bahnsteig dauert 4 Minuten. Unsere weitere Entdeckungstour starteten wir am, durch die orangene Revolution bekannt gewordenen Maidanplatz. Von dort aus weiter zur Sophienkathedrale, danach zur Andreaskirche und dem Andreassteig mit seiner Künstlerszene, die auch klein Mont Martre genannt wird. In der Nähe des Kontraktplatzes, speisten wir ein weiteres Mal ukrainisch. Voller Eindrücke brachte uns die Metro zum goldenen Tor. Dieses besichtigten wir von außen und innen, hiernach fuhren wir zurück zum Hotelparkplatz, wo uns unser Hund freudig begrüßte. Nach einer erfrischenden Dusche in der 4. Etage des Hotels, starteten wir den Motor, weil wir keine weitere nächtliche Ruhestörung durch Hundegebell brauchten. Nach einigen Kilometern machten wir uns auf die Suche nach einem ruhigen Nachtplatz. Die von uns genommene Abfahrt von der Autobahn, mündete bereits direkt nach der Abfahrt in einen katastrophalen Feldweg mit riesigen Erdlöchern, die wir großzügig umfahren mussten und endete nach ca. 5 Kilometern in einer Siedlung mit überraschend passablen Häusern. Nach Rücksprache mit einem Anwohner durften wir auf einem angrenzenden Grundstück nächtigen.

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Gut ausgestattete Europastrasse, auch in lateinischer Beschriftung ☺
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Kiew
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Kiewer Höhlenklöster an der Larwa

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Kiewer Ubahnhof, Spuren des Sozialismusses sind überall gegenwärtig

 

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Unsere letzte ukrainische Station war Schowkwa. Am Bahnhof fanden wir ein ruhiges Örtchen zum Übernachten. Am nächsten Morgen durchstreiften wir das Örtchen mit seiner imposanten Holzkirche und einem bunten Markt, sowie einigen Renaissance-Kirchen und einer baufälligen Synagoge.

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Sowjetische Arbeiter, Bäuerinnen und Ingenierure begrüßen uns in Schowkwa
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Schowkwa, Straßenmarkt mit Fleischeisblöcken
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Sowjetischer alter Wolga, noch mit originalem Zulassungsschild der UdSSR

Zügig erreichten wir die Grenze und reisten ohne große Probleme innerhalb von einer Stunde wieder in die EU ein. Die Einfuhrkontrolle unseres Hundes war eine Phase, dem Auto wurde wesentlich mehr Aufmerksamkeit zuteil (Öffnen der Motorhaube…). Nachmittags erreichten wir Zamocs, eine gepflegte und ruhige von einem Stadtplaner konzipierte Renaissancestadt, die auch „Padua des Nordens“ genannt wird. Besonders faszinierten uns neben dem großen Marktplatz mit seinem Rathaus und einer großen Freitreppe, vier prächtige und farblich schön gestaltete sog. Armenische Häuser. Am nächsten Morgen lud uns die Sonne zu einer Joggingrunde um die Wehranlage der Stadt ein.

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Zamosc, Armenische Häuser

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Hier Zamosc, doch in Polen in jedem Ort allgegenwärtig ist Johannes Paul II.

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Weiter ging es nach Kazimierz Dolny. Direkt bei unserer Ankunft entdeckten wir einen großen Parkplatz am Ufer der Weichsel. Dass gute Wetter nutzend zogen wir durch den kleinen urigen Ort, dessen Bild durch viele Holzhäuschen und einem Stadtpalast mit einer imposanten Steinfassade geprägt war. Zwischen den weiteren Renaissancehäuschen fanden wir ein ansprechendes Restaurant, wo wir auf der Sonnenterrasse köstlich speisten.

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Kaziemierz Dolny, Palast
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Eine noch detaillierte Restaurantrechnung per Hand 🙂
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Sonnenuntergang über der Weichsel bei Kaziemierz Dolny

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Mit der Morgensonne brachen wir auf, um uns wieder Richtung Heimat zu bewegen. Über viele Kilometer Landstraße mit leider etlichen LKWs und Autobahnstrecken erreichten wir am späten Nachmittag die Großstadt Posen/Poznan. Direkt in der City parkten wir zentral, und eine rüstige Seniorin passte fernsehschauend aus ihrem Wachhäuschen auf unser Vehikel auf. Bis zum großen Rynek/Marktplatz waren es nur wenige Gehminuten. Der Platz war nach dem gleichen Muster wie in Breslau oder Lwiw angelegt. Allerdings war das Rathausgebäude mit einer ansprechenden Dach- und Turmkonstruktion verfeinert. Beeindruckend waren auch die bildlichen Darstellungen an der Fassade. Der ganze Platz war sehr harmonisch, historisch und farblich mit Renaissancehäusern flankiert. Wir bummelt kreuz und quer auch zur hinter der Warte liegenden Dominseln. Einen Nachtplatz fanden wir ein wenig weiter westlich in einem kleinen Örtchen. In grüner Natur und bei völliger Stille standen wir dort frei und sehr sicher. Unsere letzten Slotys investierten wir in polnischen Sprit. Kurz darauf überquerten wir die Oder und waren wieder auf deutschem Boden. Der nahgelegene Kuhdamm in Berlin lud zum Shoppen und verweilen ein. Als letzte Station unseres Trips hielten wir in der brandenburgischen Stadt Brandenburg an der Havel. Wir genossen bei milden 26°C die Kleinstadt. Wir pendelten von Backsteindom über Neustadt bis zur Altstadt und stellten wieder fest, welchen Charme eine durch den Ort fließendes Gewässer hat. Direkt am Kanal ließen wir uns auch für ein Getränk nieder. Das Städtchen haucht eine Mischung aus mittelalterlichen Schätzen, runtergewirtschafteten Gebäuden mit sichtbarem DDR-Charme aus und Häusern aus der wilhelminischen Jahrhundertwendenzeit aus. Kaum auf der Autobahn A2 sanken die Temperaturen rapide und es waren weniger als 12°C. Der einsetzende Regen passte zum Reisebeginn, da auch da Regen und Schneeschauer uns begleitet haben.

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Posen, Rathaus

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Brandenburg an der Havel, Rathaus

 

Fazit: Die Reiseländer Polen und der Ukraine sind aus der Sicht eines Reisemobilreisenden nicht gefährlicher als beliebte stark frequentierte Mittelmeerreiseziele wie Spanien oder Italien. Allerdings sollte man schon in den größeren Städten bewachte Park- als auch Übernachtungsplätze ansteuern. In der Ukraine ist darüber hinaus auch keine für den Zentraleuropäer gewohnte Campingplatz-Infrastruktur anzutreffen. Dort muss man vom Standard mit deutlichen Abstrichen rechnen. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit, jedoch können in den Großstädten nur wenige Englisch. Die Preise sind sehr niedrig, man kann viel mit Kreditkarte bezahlen und die Qualität des Diesels an den Tankstellen ist gleichwertig zu Deutschland. Für die Versorgung mit Lebensmitteln sind überall Märkte anzutreffen, auch am Wegesrand, aber auch große Supermarkt-Giganten wie die französische Auchan-Kette ermöglichen eine gute Verpflegung; das Essengehen ist allerdings sooooo preiswert, dass man wenig Einkaufen muss. In Polen ist alles noch einfacher, da Camping-ähnliche Strukturen im Entstehen sind und auch das Bezahlen mit der EC-Karte überall funktioniert; auch hier ist eine noch größere Supermarktvielfalt – z.T. mit ALDI  & LIDL – gegeben.