Diese Jahr stand eigentlich für den Sommer Nordkap, Lofoten und Lappland auf dem Zettel. Aber es kam anders, da wir keine 3 Wochen für die Reise Zeit hatten, entscheiden wir uns im Mai für den Westbalkan.

Aus Neugirde, Abenteuerlust und Fernweh und einem bißchen Familiengeschichtsstoff war das Hauptziel Albanien. Bei meiner Frau musste erst mal Überzeigungsarbeit geleistet werden. Auch alle anderen kommentierten ungläubig oder hielten vornehmer die Klappe, wenn wir unser Reiseziel preisgaben.

Um keinen Reisestress und keine lange Rückreise zu haben, fuhren wir zu Beginn alles per Autobahn durch Italien und dann täglich quasi ein Stück nord- und heimwärts zurück.

Albanien 2016

StepMap Albanien 2016

Am Freitag Mittag (8.07.) ging es im Ruhrgebiet los. Die Grenzkontrolldauer war aufgrund der Flüchtlingssituation zur Schweiz eine unbekannte Größe, doch war sie dann easy. Wir konnten durchrollen.

Östlich von Basel (Schweiz) bei Arisdorf parkten wir frei für die Nacht am Feldesrand ein; der Platz war bereits im Vorjahr von uns für gut getestet gewesen.

542km

Am Samstag ging es zügig zum Meer weiter. Bei Cattolica blieben wir und sprangen abends noch einmal in die flachen Fluten. Neben einem gebührenpflichtigen Parkplatz mit Übernachtungsverbot fuhren wir auf eine wilde Wiese und hatten eine angenehme Nacht; vor allem als um 4 Uhr morgens auch die Kirmes endete 😉

660km

20160709_204504

Am Sonntag erfrischte uns das italienische Meer noch einmal und gemütlich tuckerten wir den Stiefel runter. In Bari lag das Fährschiff, welches wir mit zuvor gebuchten Tickets schon sehr früh befuhren. Obwohl der Kahn erst um 23 Uhr ablegen sollte, sollten/durften wir schon vor 21 Uhr an Board.

Das geplante ruhige Abendessen im Reimo im Hafen wurde etwas stressiger, da die Einweiser Druck machten, obwohl sie selbst nicht genau wußten, wann das Boarding begann. Mit der ausgedruckten Email und den Pässen mussten dann an einem Schalter die Fährtickets abgeholt werden. Dann sollte es losgehen. Erste Passkontrolle und dann fast 2 km lange Fahrt durch den Hafen von Bari. Erneute Kontrolle und dann fuhren wir in das Heck ein. Aufgrund der Höhe mussten wir zu den Trucks und standen dort dann ganz vorn, sollten aber noch spontan im Schiffsbauch wenden.

635km

Montag

Für die Nacht hatten wir nur Liegewagensitze gebucht, da wir glaubten, die 8 Stunden gut auch so zu überstehen. Die Liegen sowie das ganze italienische Schiff sahen gut aus, die Sääle nicht zu groß, sauber wars auch und die AC lief auch. Aber. Auf meine Frage bei der Rezeption, wohin wir denn mit dem Hund sollten, gemeint war eigentlich der Hunde-Pinkel-Bereich, sagten man uns nach ein paar Nachfragen und Warteminuten, dass wir eine Innenkabine bekämen. Wir staunten, wunderten uns und nahmen das Angebot an. So kamen wir ohne Aufpreis an 2 gute Liegen in einer 4er-Kabine. Sehr angenehme und leise Nachtfahrt über die Adria.

20160710_201031

20160710_204410

20160710_205249

IMG-20160718-WA0001

Am Morgen erblickten wir Durres/Durrazzo und es war gut warm! Das Anlegemanöver dauerte ewig. Der erste Eindruck von Bord aufs Land war positiv.

20160711_063759

20160711_071854

Wir rollten von Bord und standen auf albanischem Boden. Das erhoffte Abenteuer konnte beginnen.

Nur 20m hinter der Ladeklappe waren die Grenzhäuschen positioniert und es war ein netter sportlicher Wettstreit, schnell eine Linkskurve schlagend eine passende Wartespur zu bekommen. Obwohl 6-spurig wetteiferten Fußgänger, Busse und PKWs nun um die freien Plätze am Schalter. Wenige Minuten später hatten wir von einem netten Beamten unsere Pässe gestempelt und für das Wageninnere interssierte sich niemand.

IMG_0130

20160711_074346

In Durres erst mal ins Städtchen, denn wir hatten Hunger. Ein Bäcker an der Ecke kam uns recht, aber erst holten mit der Kreditkarte LEKS aus dem Geldautomaten. Der Fortschritt Albaniens war offensichtig. Etliche moderne deutsche PKWs auf den Straßen, Leute mit Handys am Ohr und auch Carrefour ist auch schon auf der Spielfläche aktiv geworden.

20160711_081407

20160711_082235

Nach etwa 30 km Richtung Süden, ging es über eine unkonvektionelle Streckenführung und über steile Autobahnbrückenrampen zum Camping Pa Emer (20€ für ein Ehepaar pro Nacht). Dieser liegt direkt am Wasser und hat extrem flaches und pippiwarmes Wasser.

34km

IMG_0033IMG_0039IMG_0045

Bereits hier am CP erhielten wir einen Vorgeschmack auf den albanischen Hang, den Staat in den Zustand eines schweizer Käses zu verwandeln. Überall Bunker, am Hang, oben auf der Bergspitze oder auch als Ein-Mann-Bunker einfach am Straßengraben.

20160711_141031

20160711_172832

20160711_181007

20160711_201305

Am Mittwoch hatten wir uns aklimatisiert und waren neugierig auf das Land. Nach zwei Nächten auf dem netten und ruhigen CP wars auch genug.

Erster Halt war im Ort Fieri, ein heute langweiliger Ort mit großen Betonhochhäusern. In einer modernen Mall füllten wir unsere Lebensmittel auf und mussten zu deutschen Supermärkten keine Abstriche machen. In der Regel lagen in den Regalen und Tiefkühltruhen auch überwiegend deutsche Produkte. Wie in Russland auch, konnte man hier auch Tiefkühlfleisch unverpackt aus den Truhen entnehmen.

20160713_143024

20160713_143040

20160713_161240

20160713_162540

20160713_163547

Die lange Passstraße am Llongorapass bot einen tollen Blick auf die Südküste und das Meer, samt den griechischen Insel um Korfu.

20160713_170428

20160713_173405

Blick auf Porto Palermo, der Haltepunkt für die Nacht. In dieser riesigen Halbkreisbucht ist mittig ein Halbinselchen, dort können Reimos stehen. Eigentlich sollte es kostenfrei sein, denn Infrastruktur ist nicht vorhanden, doch abends kamen zwei junge Kerle und wollten 10€ haben. Für das Entgelt bekamen wir dann einen Verzehrgutschein in der dazugehörigen Gaststätte, in so fern war es noch ein fairer Deal. Das Wasser war ruhig, mild und glasklar.

20160713_180231

Ein U-Bootbunker für ein Land, das keine U-Boote besaß.

20160713_180431

IMG_0049

187km

IMG_0067IMG_0059IMG_0060IMG_0064

IMG_0065

Donnerstag

Es ging die Straße weiter südlich. Nette Ebenen voller Landwirtschaft passierten wir.  Reichliche Serpentinen forderten von unsere Wohnkabine allerhand. In einem östlichen Bogen umrundeten wir die Butrinter Lagune. Dabei näherten wir uns der griechischen Grenze bis auf wenige Kilometer.

20160714_114714

20160714_124112

20160714_124116

Eigentlich wollten wir uns nur die Ausgrabungsstätte Butrint anschauen, doch die Neugirde führte uns auch zu der irren und stark schauckelnden Pontonfähre. Es kam afrikanisches Feeling auf, als wir auf die sogenannte Fähre auffuhren. Es waren 4 Pontons, die mit Brettern verbunden waren. Panik machte sich sekundenschnell breit, als unverhofft noch ein Jeep hinter uns auffuhr, da der „Kahn“ extreme Schiefflage bekam. War aber alles wohl durchdacht. Per Stahlseil wurden wir in wenigen Minuten übergeholt und durften den Nicht-Albaner-Preis von 7€ berappen. Anschließend kleine Mittagspause unter Bäumen, um dann mit nem Joghurt gestärkt die griechisch/römische Siedlung zu besuchen.

20160714_124135

20160714_124402

20160714_124759

IMG_0075IMG_0077IMG_0079IMG_0084IMG_0088IMG_0095IMG_0102

IMG_0116IMG_0109IMG_0122

Am Nachmittag tuckerten wir wieder weiter. Ab nun gings nur noch nordwärts.Ein kleine Gelände-/Pistenfahrt war noch geplant. Bei Himare bogen wir ins Inland ab und kletterten gleich extrem rasch hoch. Meist ohne Asphalt ging es nach Pilur. Hinter dem Örtchen ging es dann abwärts auf Kuc zu. Lose Geröllplatten bildeten nun auf 2.40 m breite den Fahrweg. Gegenverkehr wäre unmöglich zu passieren gewesen, aber um 18 Uhr war niemand unterwegs.

Wir schlichen langsam, zum kleinen Teil mit 4×4-Untersetzung und merkten, dass es sinnvoller gewesen wäre, dass ganze Stück ohne Wohnkabine zu bereisen! Nach einer Kreuzung ging es in Kurven runter. Nach 400m war Weg und Flussbett eins geworden und es stand die diagonale Durchfahrt über fast fußballgroße Findlinge an. Da wir so weit überhängen, war uns klar, dass wir Greenhorns hier vernünftig werden und nicht weiter fahren. Also, was tun. Rampen bauen? Wenden? Viel zu schmal und am Abgrund uncool. Also, volle Untersetzung rein und unter viel Motorlärm im Rückwärtsgang die Geröllpassage wieder im Blindflug hoch. Schön ist anders.

Es ging dann doch und besser als erwartet, aber wir brauchten keine Wiederholung. Nach kleiner Rast und Getriebepause zurück. Dachte ich auf dem Hinweg noch, gut, dass wir nur abwärts hier her müssen, wußte ich schon, welche steilen Rampen und Steilkurven nun warteten. An einer Stelle ging es auch nur mit voller Ünetrsetzung und da zeigte der Amarok, was er kann. Nach fast 2h war der 4×4-Trip beendet und Asphalt war wieder unter uns. Nun fuhren wir zum dritten Mal diese SH8, galt es doch nun unser Ziel außen um die Berge rum anzusteuern. Großer Umweg und Zeitverlust, aber nicht zu ändern. Am Kiesstrand von Queparo war heute Endstation. Ein Meeresbad und schon war man wieder entspannt.

20160714_163640

20160714_175735

20160714_181004

20160714_181019

20160714_181030

20160714_182008

20160714_182441

20160714_182618

174km

Freitag

Frühstück am Meer, planschen im Mittelmeer und dann über SH8, SH 99, SH4 und SH75 nach Nordosten. Die UNESCO-Weltkulturerbestadt Berat war unser nächstes Ziel. Vorsichtig gewoden ließen wir die mögliche SH 74 aus, da dort nur 4×4 sinnvoll war. Fahrbar war das für uns, bloß die Wohnkabine muss dass nicht zwingend machen. Also über die SH72, die als einfacher Schotterweg begann. Nach 5km wurde es steiler und felsiger. Wir wollten noch aushalten. Dann wars irgendwann so weit, dass eine Umkehr in Relation zur Weiterfahrt wohl schlimmer gewesen wäre. Bei fast 1000 Höhenmetern gings dann wieder abwärts. Mit einer Geschwindigkeit von etwa 8km/h fuhren wir durch Niemandsland; aber doch ab und zu tauchten Menschen auf – wo auch immer die lebten? Die Landschaft war grandios.

20160715_083308

20160715_100824

20160715_100834

20160715_115210

20160715_121500

20160715_122437

20160715_125507

20160715_125729

20160715_131119

20160715_140912

Es war die Staatsstraße 72 und glich einer Alpenüberquerungspiste. Zweimal kam Gegenverkehr und einen 4×4-Toyota sollten wir bergauf abschleppen, da sein Kupplungspedal kaput war. Wir mussten leider absagen, boten aber an, Personen der 6-köpfigen Familie mitzunehmen. Für eine kleinere ruhigere Schotterpassage in Echtzeit köönt ihr hier „einsteigen“; man kann schon zügiger fahren, aber nicht mit einer Wohnkabine on top!

 

20160715_144814

20160715_144817

20160715_144822

20160715_145016

20160715_145242

20160715_150043

20160715_150530

20160715_151847

20160715_151854

20160715_152424

20160715_155901

20160715_162925

Am Ende wurde es passabeler. Auf einmal eine eigentümliche Brücke, aber seht mit eigenen Augen. Diese leitete auch schon das Ende der 4×4-Strecke ein. Kurz danach erreichten wir dann wieder Asphalt, unser Flusstal, welches wir schon seit 10km begleiteten wurde zur imposanten Osum-Schlucht. Bei Corovodie eine tolle alte historische Bogenbrücke entdeckt und noch durchs Hügelland bis Berat gekurvt. Dort frei direkt innerhalb der Burgmauern gestanden. Bevor Sightseeing angesagt war, musste das Kabineninnere wieder geordnet werden! Nur der Amarok ist halt geländegängig.

20160715_164738

20160715_174331

20160715_181001

20160715_181046

20160715_183259

353km

Samstag

Morgens die Oberstadt Berats durchbummelt. Nette kleine einheitliche Gässchen und tolle Aussicht auf die Umlandberge. Nach dem Walk und den Temperaturen verzichteten wir auf den Bummel in der unteren Stadt und kauften noch was an Lebensmitteln im Supermarkt sowie beim Gemüsedealer ein und machten uns auf den Weg zur montenegrinischen Grenze hinter Skhoder. Überall fruchtbare Äcker. Es wuchsen Weintrauben, Melonen, Getreide, Mais…. Bald fing Regen an. Der wurde so stark, dass unser Alkoven nun wieder wie neu aussahh und keine Fliegenleiche mehr dort pappte. Tanken, das Tankstellennetz ist sehr dicht, wollte ich noch und zwar dort, wo man mit Lek elektronisch bezahlen kann. Überall wurde mit Logos auf die Karten hingewiesen, doch keine hatte die nötige stabile Datenverbindung. Für meine letzten Leks ergänzt mit Euros füllte ich ein bißchen Diesel noch nach. Bei der Tankstelle Kastrati habe ich mich nicht getraut zu tanken, wer weiß, welches Geschäftsziel die wirklich verfolgen. Die Spritqualität war gut, denn nagelneue Wagen dort benötigen auch guten Treibstoff.

20160715_193456

20160716_10015620160716_100220

20160716_100409

20160716_100558

20160716_101028

20160716_101410

20160716_101710(0)

20160716_101857

20160716_102532

20160716_103839

20160716_104139

20160716_120822

20160716_121511

20160716_123938

20160716_140404

20160716_172903

Die Ausreise aus Albanien lief glatt und zügig und war in weniger als 3 Minuten um. Das erhoffte große Abenteuer war Albanien nicht, aber eine tolle Erfahrung, denn das Land der Skipetaren ist auf dem Sprung. Vor 10/15 Jahren wäre es noch ein Adventure gewesen; gegenwärtig ein ruhiges und sicheres (!) Land mit Ähnlichkeit zu Griechenland und Italien.  Heute brauchen die Menschen schon den Tourismus und stellen sich darauf ein.

Bis zur Grenze noch                                                                       208km

Hier kommt der Rest des Trips samt Heimreise.