Im Frühsommer in die Toskana

In der Regel reisen wir nur zu Ostern oder im Hochsommer nach Italien. Diese Jahr wollten wir den Mai mit seiner milden Wärme dafür nutzen. Am Pfingstfreitag gings mittags los, die großen erwarteten Staus blieben sogar aus, nur zäh wurde es südlich Darmstadt. Da es so gut rollte, selbst an der schweizerischen Grenze lief alles glatt, durchquerten wir das Schweizerland und wollten noch mal eben den Gotthard-Tunnel mitnehmen. Tja, es wurden 2½ Stunde Wartezeit. Direkt nach dem Tunnel parkten wir an der Raststätte und nächtigten.

Toskana 2018

StepMap Toskana 2018

 

 

Samstag

Der nächste Tag brach sonnig an und wir fuhren schnörkellos bis nach Barberino, nördlich von Florenz. Das hier gelegene Outlet ist ein steter Stopp für uns, da dort immer gute Schnäppchen zu machen sind. So auch dieses Mal. Nach ein paar Stunden Stöbern drehten wir Richtung Florenz. Über mautfreie und kurvige Straßen steuerten wir in einer halben Stunde nach Florenz und steuerten den privaten Stellplatz an. In zweiter Reihe befindlich, fanden wir ihn doch. Allerdings standen wir vor einem großen 2m hohen geschlossenen Tor! Personal nicht mehr am Platz, so dass wir zum Hörer griffen. Irgendwann nahm jemand ab und quasselte temperamentvoll drauf los. Vor meinem geistigen Auge sah ich auch, wie dieser Mann wild gestikulierte. Leider stellte ich fest, dass ich kein Italienisch kann und der Gegenüber nur Italienisch. So konnte er mir nix erklären, geschweige denn den Zifferncode fürs Tor nennen. Aber siehe da, noch während des Telefonats verließen Touristen den Platz zu Fuß und wir huschten hinein. Zum Glück waren noch 2 Parzellen frei. Der Platz war voller Fahrzeuge, doch die Mehrheit der Reimos war dort dauergeparkt. Nachts war alles schön leise und gut.

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Florenz, Wohnmobilstellplatz. Die Einfahrt liegt sehr unscheinbar versteckt. Der Platz ist hinter Häusern und direkt nicht erkennbar.

 

 

 

 

Sonntag

Am Morgen schlich schon ein Opilein umher, notierte Nummernschilder und wir ließen schnell unseren 15€ Obulus dort. Irgendwann nach 9 Uhr und nach etwa 10-minütigem Fußweg erreichten wir die Straßenbahn, die uns bis zum Bahnhof kutschierte. Ideale zügige Verbindung. Das Bahnticket kostet nur 1,20€. Nun durchstöberten wir die historische Altstadt. Kreuz und quer gings es, von Kirche zu Kirche und von Palast zu Palast. Mit einer Kombikarte für das Domensemble kam ich nach etwa 40 Minuten Wartezeit auch auf den Turm – leider versagte oben mein Kameraakku. Auch fürs Baptisterium musste ich nicht viel warten. der Dom an sich ist ticketfrei zu besuchen, allerdings nicht wenn Pfingsthochamt ist. Am nackten David vorbei, den Arno überquerend bummelten wir umher und kamen kurz vo 13 Uhr zu den Uffizien, da wir dafür online Karten ein paar Wochen zu vor gekauft hatten. Damit gings nach 5 Minuten Warterei rein. Das Gebäude an sich ist großartig und die Werke, die dort hängen sind nur von wahren klassischen Meistern: Raffael, Rubens, da Vinci, Michelangelo, Kranach. d. Ältere, etc. … Nach dem Museumsbesuch tropfelte es. Hallo, wir sind in Italien im Sommer. Es nützt nichts. Wir gingen zu ehemaligen Basilica di Santa Croce, zahlten brav auch hier mal wieder Eintritt und sahen uns dort die Ruhestätten einiger großer Gelehrte an: Gallileo, Michelangelo, …. Als wir kurz vor 17.00 Uhr wieder am Reimo ankamen, war die Spannung groß. Hatte der Hund ausgehalten. Ja, klar. Das Auto war noch immer trocken, wäre aber auch verzeilich gewesen. Man muss halt immer Kompromisse machen. Am Abend fuhren wir noch weiter, da wir die Gebühr nicht noch einmal lassen wollten, da der Platz außer Sicherhit, Ruhe und Ver-/Entsorgung nix zu bieten hatte. Der Regen kam erneut und wir hielten wenige Kilometer südlich Florenz, neben einer Kirche in irgend einem Dorf.

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Florenz, Womo-Stellplatz für 15€
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Per Straßenbahn direkt in die Florenzer Innenstadt in 13 Minuten

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Florenz von oben, Blick vom Turm des Domes

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Florenz, Glockenturm neben dem Dom
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Florenz, Baptisterium des Domes

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Florenz, Rathaus
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Florenz, Kopie von Michelangelos DAVID
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Florenz, Uffizien
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Deckengemälde in den Uffizien
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Uffizien, Gemälde von Michelangelo
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Florenz, Ponte Vecchio von Osten
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Palazzo in Florenz
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Florenz, Santa Croce
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Florenz, Santa Croce von Innen
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Santa Croce, Grab von G. Gallileo
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Santa Croce, Grab von Michelangelo
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Florenz, Stadttor im Süden
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Florenz am Abend, Blick auf Arno & Ponte Vecchio
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Blick nach Westen vom Piazzale Michelangelo

 

Montag

Wir steuerten auf Greve und waren überrascht, wie schnell wir es erreichten. Der Ort bot nix für uns, der (kostenfreie) Stellplatz war tadellos, aber wir wollten raus in die Natur. Wandern bei (!) Sambuca war angesagt. das Navi fragte, obe wir auch unbefestigte Streken nehmen wollten: Und wie. Mit mehr als 10% Steigung gings los. Immer durch Wald oder an Weinbergen vorbei. Einmal tauchte eine rote Ampel auf, denn die Gasse um die Dorfmauer war unter 2,20m schmal, dass alles nur elektrisch regelbar war. Südlich Sambuca starteten wir im Wald unsere 12 km Wanderung. Durch Wäldchen rauf zum Kloster, dann durch die Hügel und mit wenig Regen kehrten wir hungrig zurück, Da der Regen blieb, durchfuhren wir nur San Donat, wo wir eigentlich länger hätten bleiben wollen. Unser Ziel war Panzano, da dort ein kleiner, kostenfreier Womo-Stellplatz sein sollte. Der war auch da, aber auch im verregneten Zustand. Wir parkten für die Nacht ein. In einer Regenpause durchbummelten wir das alte Dörfchen.

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Weinberge im Chianti-Anbaugebiet
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Kloster Badia A Passignano von Westen auf unserer Wanderung von Sambuca aus

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Kostenfreier Womo-Stellplatz bei Panzano – im Regen
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Blick aus dem Reimo, Panzano
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Der schwarze Hahn des Chianti-Rotweins

 

Dienstag

Der Wolkenhimmel verhieß nix gutes. Wir lasen und machten uns erst spät auf die Weiterfahrt. Unser Nahziel war Castellani, wo wir im Umland Chianti beim Winzer verkosten wollten. Leider wollten uns die Weinbauern irgendwie nicht haben bzw. gaben sich so wenig Mühe, dass wir in Castellani uns mit „Stoff“ versorgten; möglicherweise wären eine vorherige Anmeldung auch dienlich gewesen ;). Castellani ist nett. Klein, überschaubar aber abends in der Woche toll. Wir kehrten draußen in einer Pizzeria ein und ließen es beim Chianti Classico uns schmecken. Abends rollten wir noch weiter ins benachbarte Radda, um den Stellplatzgebühren zu entfliehen. In Radda war der Coop-Parkplatz ganz schön gerade 🙂

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Castellina
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Castellina, domestierter „Belgischer Riese“ der ungeleint herumlief oder sich ausruhte und nicht scheu war
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Castellina, Gewölbe unter dem Ort

 

Mittwoch

Der Morgen war trocken, aber wolkig-nebelig. Wir durchbummelten das Örtchen und die Sonne kämpfte sich hervor. Vom nördlichen Straßenverlauf kann man toll ins hügelige Umland schauen, besonders bei Sonne. Nun gings nach Siena. Man kann da toll für 20€ sein Womo parken und auch ver-/entsorgen, oder man sucht so lange bis es etwas andere gibt. Für Tagesbesucher kann man als Wohnmobilist auch westlich abstellen, Per Brücke, Rolltreppe kommt man dann oben ander fetsung raus. Siena ist voler Touristen – wir selber sind ja auch welche – und es lohnt sich aber wirklich. Tolle Gebäude, schöne Architektur und ein imposant geneigter Glatz, der Campo. Besonders sehenswert ist auch der schwarz/weiß-gestreifte Dom. Dieser ist nur mit Ticket besuchbar, aber aufgrund seiner ungewohnten Farben auch einen Besuch wert. Krypta und Baptisterium sind auch sehenswert. Südlich von Siena ändert die Toskana ihr aussehen. Die Weinberge dominieren nicht mehr, es wird flachhügeliger und viele – in unserem falle – grüne Wiesen und Felder sind da. Etliche Zypressenallen vermittelten das typische Toskanabild. Im Herbst, wenn alles abgeerntet ist, dann ist es grau-okka und dann erst die typische Crete. Wir drehten irgendwann, als die Eindrücke stark genug waren und steuerten San Gimignano an. Ein kleiner Abendspaziergang rundete den Tag ab, den tagsüber bekommt man vor lauter Tagesgästen kaum ein Bein auf die Erde. Es war richtig übersichtlich und viel anschaulicher. Nachts parkten wir am WOMO-Stellplatz hinter dem Campingplatz und Tennisplatz; dort gibt es sogar einen halbstündig fahrenden Shuttlebus zum Ort.

 

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Morgens nördlich Radda

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Rathaus Radda
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Mittags nördlich Radda
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Stadtsilhouette von Siena, während des Fußmarsches vom Stellplatz in die Altstadt
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Sienas Wölfin; es existiert die gleiche Gründungssage wir im alten Rom
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Siena, Altes Bankhaus  Monte dei Paschi
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Die älteste Bank der Welt
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Siena, Blick auf den „Campo“

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Siena, Dom
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Siena, Überbleibsel der Erweitungsbauten des zu vergrößerenden Doms, nie beendet
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Siena, Dom von innen

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Siena, Detail an alter Mauer; zum Befestigen von Pferden
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Crete im Sommer, südlich Siena

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San Gimignano am Abend

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Donnerstag

Am nächsten Morgen dominierten Wolken und wir wanderten durch die Weinberge. Über Montauto machten wir eine 7km lange Kehre. Zu unserem Glück kam auch die Sonne hervor. Mit dem wagen fuhren wir am Nachmittag zum Ort und mogelten uns auf Parkareal vier, da wir mit 2,08m sehr schmal sind. Eigentlich steht da ein Womo-Verbotsschild. Wir stiefelten in den Ort, den wir schon früher auch aufgesucht hatten und wollten auf den Torre. Nach dem Ticketkauf ging es auf breiten und flachen Stahlstufen die 54m hoch. Der Ausblick, Überblick und Weitblick war toll. Unten mussten erstmal ein Bier und ein Kaffee unsere Krafthaushalte wieder auffüllen. Da es in Orten oft nachts nicht ruhig ist, wollten wir raus und einen schönen und stillen Nachtort finden. Beim Gefängnis vor Castel San Gimignano fuhren wir rechts des Feldwegs in eine grüne Brache und standen im Stillen und Grünen. Irgendwann düste ein Hirsch vorbei und abends tanzten Glühwürmchen.

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Südlich San Gimignano, uralter Pilgerweg der mit einem Wanderweg vereint ist
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Ursprüngliche einfache Toskana, der Wanderweg geht auch mal durch den Fluß

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San Gimignano vom Stellplatz Santa Lucia aus
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San Gimignano, Blick vom höchsten Turm nach Südosten

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Abendlicher Blick auf San Gimignano vom wilden Stellplatz bei Castel San Gimignano

 

Freitag

Bis Volterra war es nicht weit und so schlenderten wir gegen 11.30 Uhr durch das Bergstädtchen; kostenfrei parken konnten wir am ehemaligen Bahnhof. Wir bummelten ziellos umher und ließen uns treiben. Mauer, Tore, Kirchen, Paläste gaben ein schönes Gesamtbild. Lediglich das antike Theater suchten wir gezielt auf. Da es noch früh ar und nun auch endlich richtig sommerlich warm war, rasteten wir im Grünen. Neben der Straße floß ein Bach, da hielten wir, packten unsere Stühle aus und genossen die Natur. Nach 18 Uhr fuhren wir nach Pisa und stellten unseren Wagen gebührenfrei nördlich des Stadions ab. Es war schönes Abendlicht und das Domareal unser Ziel. Da wir bereits 2 Mal schon in Pisa waren, wollten wir dieses mal bewusst nicht auf den Torre pendente. Wir schauten zwar an Baptisterium und Dom und Turm vorbei, doch dieses mal wollten wir in die Altstadt Pisas, die oft übersehen oder vergessen wird. Sie loht aber wirklich, besonders das Arnoufer mitsamt seiner tollen Bebauung überzeugt. Die Nacht blieben wir dort.

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Unser wilder Stellplatz am Morgen, irgendwo bei Castel San Gimignano
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Stadtmauer Volterra
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Gassen in Volterra

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Antikes Theater in Volterra

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Pause am Wegesrand, nördlich bei der SR 439

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Pisa, Stadtmauer
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Pisa, größtest Baptisterium der Welt, dahinter der Dom
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Gerader Torre pendente in Pisa
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Pisa, schiefer Glockenturm des Domes
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Pisa, sehenswerte Altstadt
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Pisa
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Pisa mit Arnobrücke
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Abendstimmung in Pisas Altstadt

 

Samstag

Gegen 8 Uhr machten wir den Motor an und traten den Heimweg an. Staufrei gings zur Grenze bei Como und vor dem Gotthard-Tunnel brauchten wir nur knapp ne Stunde. Je später der Tag, umso freier wurde die Fahrbahn und siehe da, auf einmal war das Thema Zwischenhalt passe und wir steuerten nach Hause. Dort kamen wir heil nach 2646km wieder an.

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Stadtmauer Pisa
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Stau vorm Gotthard-Tunnel

 

Total

Kilometer: 2646

Mautgebühren: 93,85€

Spritkosten: 414,08€

Übernachtungskosten: 15€