Ein weiteres Mal nach Island war unsere Idee für den Sommerurlaub 2018. Mit bewährter langfristiger Planung lotete Christian die Kosten mit dem Schiff und dem Flieger aus.

Kaum zu glauben, den Amarok samt Wohnkabine zu verschiffen und uns mit dem Flieger nach Reykjavik zu bringen ist vergleichbar teuer. Also entschieden wir uns für die gemütlichere als auch zügigere Variation, Amarok per Schiff, Menschen per Flugzeug (WOW-Air) in 3,5 Stunden in den Norden zu bringen. Da die Kosten vergleichbar hoch sind, spart man erheblich an Zeit. Denn, Hinfahrt an die Nordspitze Jütlands plus 2,5 Tage auf See – von der Gelegenheit zur Seekrankheit an dieser Stelle mal abgesehen. Das Ganze auch noch Retour und man ist bei einer Woche Transferzeit!

Nun sind wir bei der Feinplanung unserer Route und den Wanderungen. Durch unsere erste Sommerreise im Jahr 2009 nach Island (Link hier) sind uns viele Orte und Sehenswürdigkeiten bekannt, sodass wir nach neuen, uns unbekannten Flecken suchen und einige besonders interessante nochmals heimgesucht werden.

Vielleicht treffen wir ja diesmal auf Elfen oder zumindest Trolle!

Um Elfen treffen zu können, muss man flexibel sein. Daher optimierten wir unseren Amarok. Ein Schnorchel und eine Höherlegung der Entlüftung der wasserempfindlichen Motorteile war daher nötig. Nun können wir auch abseits der von uns damals schon bereisten Ringstraße auf tolle Elfenkontakte hoffen. Auf die Pisten und das Furten freut sich der Amarok als auch seine Insassen auch schon doll.

Vor der Verschiffung von Cuxhaven aus, haben wir bereits drei Wochen vor unserem Flug das Gespann Islandtauglich gemacht, Wanderschuhe, dicke Pullis und Regenklamotten eingepackt, alle Lebensmittel raus, die dürfen aufgrund der strengen Zolleinfuhrbestimmungen nicht mit. Ende Juni war der Wagen gepackt, gesäubert und wurde am Samstag, den 07.Juli beim Zoll bzw. Reeder abgestellt. Per Bahn und früh gebuchtem Ticket ging es mit 2 x umsteigen wieder nach Hause.

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Ein 365m langes Containerschiff, das vor Cuxhaven elbabwärts losfährt

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Bundesgrenze am Zollhaven in Cuxhaven

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Geparkte, nagelneue BMWs wohin das Auge reicht – noch werden sie zahlreich exportiert

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Unser leicht versteckter AmaTi bei der Abgabe, neben 3 anderen wartenden Islandtauglichen Fahrzeugen
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Mühle in der Bremer Innenstadt, während des Wartens auf den Anschlusszug

Am Donnerstag 12.07. kam dann das Containerschiff Arnarfell der niederländischen Reederei SAMSKIP in Cuxhaven an und schluckte unser Vehikel.

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Das Containerschiff Arnarfell (138m lang, 22m breit), dass unser Fahrzeug nordwärts schiffte

Durch den Nord-Ostsee-Kanal ging es zur Ostsee, dann ins dänische Aarhus, zum schwedischen Varberg, zu den Färöer-Inseln und durch den Nordatlantik gelangt das Fahrzeug dann nach Island. Per Livetracker bei http://www.vesselfinder.com konnten wir das Schiff verfolgen. Als für viele Stunden keine Positionsupdates mehr kamen, fing im Kopf schon das Kopfkino an! Ist das Schiff gesunken? Was ist mit unserem Fahrzeug und unserer geplanten Reise? …. Zum Glück bewegte sich das Schiff dann virtuell doch weiter und lief am frühen Morgen des Mittwoch (18.07.) einen Hafen östlich von Reykjavik an.

Am Donnerstag (19.07.) erreichte uns abends eine alarmierende Email bzgl. unseres Reisegefährts:

Liebe Verschiffungskunden,

leider hat der isländische Zoll diese Woche in einem unserer Kundenfahrzeuge Schmuggelgut gefunden.
Daher werden ab sofort alle Fahrzeuge einer intensiven Kontrolle unterzogen.

Sollten Sie unseren Transferservice gebucht haben und verschlossene Staufächer und/oder eine verschlossene Wohnkabine haben für die keine Schlüssel mitgegeben wurden, setzten Sie sich bitte kurzfristig mit uns in Kontakt, da wir diese Fahrzeuge derzeit leider nicht aus dem Zoll holen können.
Wenn Sie Ihr Fahrzeug selbst abholen und verschlossene Staufächer und/oder eine verschlossene Wohnkabine haben, seien Sie bitte bis spätestens 15:00 Uhr am Hafen, da der Zoll Ihr Fahrzeug noch inspizieren muss.

Wir weisen noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass sich im Fahrzeug keine Lebensmittel, Alkohol, Tabakwaren und Handelsware befinden dürfen!

Mit freundlichen Grüßen    xxx

Genau das betraf auch uns. Mit der Tischer-Wohnkabine erfüllten wir genau die Problemlage. Und, wenn wir Samstag landen würden, hatte der Zoll bis Montag zu!!! Ahnend, dass das alles nicht so einfach laufen würde, hatte ich in Voraussicht im Amarok einen Schlüssel für den Wohnraum deponiert. Trotz großer Bauchschmerzen, denn in der Kabine befanden sich wertvolle technische Geräte, teilte ich unserem Agenten den Lagerplatz des Schlüssels am Telefon mit. Sein isländischer Fahrer würde das alles Freitag mit großer Zuverlässigkeit für uns erledigen und durch den Zoll in Island sei noch nie etwas weggekommen. Gut, dass wir außer sechs Mineralwasserflaschen das Fahrzeug nahezu frei von Lebensmitteln geräumt hatten. Zwischendurch hatten wir ja auch mal mit dem Gedanken gespielt, ob man nicht ein paar Fläschchen Wein im Auto lagern könne; die Preise und besonders der Alkohol in Island waren (!) sehr hoch.

Am Freitag (20.07.) kam dann die gute Nachricht per Email, dass sogar schon gestern unser Reisegefährt anstandslos und ohne genaue Prüfung aus dem Reykjaviker Zoll geholt wurde. Danach gaben wir uns ganz gespannt und nur anfänglich mit Muße dem Packen unserer beiden winzigen und nur maximal 10kg-schweren Handgepäckstücke hin – wir optimierten Raum und Gewicht, um im Flughafen noch möglichst viele günstige Weinflaschen im Duty-Free-Shop kaufen und verstauen zu können. Da wir mit einem Low-Cost-Carrier reisten, war das Reisen ohne aufgegebene Koffer die kostenärmste Variante. Unser Hauptgepäck war je bereits im Fahrzeug verstaut, so dass wir keine Koffer brauchten.

Am Samstag früh ging es gegen 0930 Uhr endlich los; mit U-Bahn und Regionalexpress 6 starten wir bei fast 20°C durch.

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Unser WOW-Airbus Richtung Reykjavik

Samstag 21.07.

Gemütlich gestartet, nur milde 20°C, gegen 0920 die U-Bahn genommen, um kurz nach 1000 eine mal nicht verspätete Bahn des Regionalexpress Nr.6 genommen.

Entspannt durch die Sicherheitsschleuse, um dann im deutschen Duty-Free-Shop endlich die Weinflaschen, die wir gestern probeweise in die Rucksäcke gepackt hatten, zu kaufen. Wir bekamen 5 Weiß-und 2 Rotweine aus Chile mit. Am Schalter von WOW, dann die Enttäuschung, aber sicher war sicher, es wog und maß niemand nach! Hätte also noch viel mehr leckeres Rindfleisch mitgekonnt. Aber so geht es als braver Bürger auch. Mit 20 Minuten ging es dann verspätet bei bestem Sommerwetter los. Nach 3h 15min setzte der Airbus 320 wir am isländischen Keflaviker Flughafen auf. Wir stürmten noch dezent den Duty-Free-Shop in Island, um die Zollfreigrenze voll auszureizen. Wir entdeckten auch Weine für nur 8€! Den isländische Fahrer, der unseren VW Amarok vom etwa 50km entfernten Hafen & Zoll geholt hatte, fingen wir bereits draußen ab. Draußen, tja nach der langanhaltender deutschen Heißphase zogen wir uns nun dicker an: 11°C herrschten lediglich. Um unsere Kabine mit Lebensmitteln zu füllen, fuhren wir zunächst zu den großen Discountern Bouns und Kronan, dort fanden wir isländische und uns bekannte deutsche Lebensmittel. Die Preise waren wie angekündigt stolz. Besonders Fleisch und auch Fisch ist hochpreisig. Um so mehr freuen wir uns über unsere beiden Rindfleischdosen im Handgepäck. A propos Handgepäck. Beim Verlassen des Flughafen wollte weder jemand unsere Pässe noch unser Gepäck prüfen!

In den Supermärkten ließen wir fast 150€ da. Da es nieselig war, steuerten wir unser erstes Ziel, Þingvellir (þ = englisch th) an. Allerdings sperrte ein Polizist die Route und verwies auf eine Umleitung von nicht wenigen Kilometern. Die Strecke ging durch ein schönes langes grünes Tal, allerdings ohne Asphalt und mit guten Kratern in der Fahrbahn! Schön für und mit Amarok. An einem See rasteten wir, speisten und nächtigten auch dort. Leider stellte Christian abends beim Blick aus der Tür fest, dass ein Hinterreifen wenig Luft hatte!

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Lebensmittel bunkern war eine der ersten Taten auf Islands Bode: Kronan, Bonus und Netto haben ein preiswertes und großes Sortiment
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Oftmals gibt’s kostenfrei Kaffee im Supermarkt – die Isländer sind süchtig danach

Sonntag, 22.07.2018

„Bist Du schon wach? Ich muss Dir was sagen! Wir haben einen Platten!“

So begrüßte mich Christian heute Morgen …

Also machten wir erst mal einen Schlachtplan! Erst frühstücken, dann den Wagen zurücksetzen, Kabine aufbocken, Ersatzreifen unterm Amarok abseilen (!), platten Hinterreifen demontieren, neuen Reifen dran, Kabine wieder druff und weiter ging das Abenteuer!!!

Da am Sonntag auf Island zwar die Discounter geöffnet haben, aber die Werkstätten erst wieder Montag, begnügten wir uns mit kleineren Strecken auf überwiegend befestigten Straßen, da der Ersatzreifen noch etwas wenig Luft hatte. Dies Problem konnten wir dann aber an einer kleinen Tankstelle ändern. Einen Stopp legten wir zwischen den Kontinenten ein. In Thingvellier, wo die amerikanische und die europäische Erdplatte auseinandertreiben. Bereits bei unserem letzten Aufenthalt in Island (der Isländer sagt nicht „auf Island“, sondern „in Island“!), waren wir an dieser geschichtsträchtigen Stelle und auch dieses Mal waren wir wieder beeindruckt. Allerdings auch von der Menschenmenge, die sich von wenigen Menschen damals auf viele Reisebusladungen heute vervielfacht hatte.

Diesmal sahen wir uns in Muße dazu die dortige kleine Holzkirche und den alten Friedhof an bevor wir wieder zum Auto zurück und weiter nach Fridheimar (in Reykholt), einer Tomatenfarm, fuhren. In einem der Gewächshäuser, die alle dort durch warmes geothermales Wasser beheizt werden, befand sich ein Cafe/Restaurant, in dem man neben Kaffee und Brot alles aus Tomaten zu essen bekam. Tomatensuppe, Tomatenbier, Tomateneis, Tomatencutney, Tomatenschnaps, … draußen befand sich noch eine Tribüne und eine Reitarena, in der zu bestimmten Zeiten Reitvorführungen mit Islandponys stattfinden.

Bei leichtem Nieselregen ging es weiter zum Geysir! Er ist der drittgrößte Geysir und Namensgeber aller Geysire. Ob es dort mittlerweile Eintritt kostet? Nein, sogar das Parken war (noch) gratis und wir konnten den kleineren Strokkur mit seiner 10/15M hohen Fontäne mehrfach in Aktion sehen.

Nach dem Abendessen fuhren wir für die Nacht schon mal zu einer kleinen Werkstatt, um morgen direkt unseren Reifen zur Reparatur in Auftrag zu geben. Allerdings wurden wir auf den Folgetag um 0900 Uhr verwiesen. Mit dem Hinweis, dass das ja kein Campingplatz sei, verneinte die resolute Dame – vermutlich die Mutter des Schraubers der Farm bzw. der Werkstatt – unsere Anfrage, ob wir bis zur Reparatur dort verweilen könnten. Im Ort fanden wir einen Nachtparkplatz für unser Gefährt.

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Plattfuß hinten links
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Wohnkabine absetzten, damit man hinten am Amarok-Heck das Reserverad abkurbeln kann

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Aufgebockter Amarok nach dem Reifenwechsel
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Wandern zwischen den Kontinenten; die Spalte heißt Thingvellir
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Bruarfoss

Montag 23.07.

Mit nahezu deutscher Pünktlichkeit erschienen wir in der großen Scheune, wo schon ein halb zerlegter Trecker vegetierte und dann waren wir auch schon dran. Heute zu Besuch bei den Handwerkern: Der defekte Reifen wurde fachmännisch eingespannt, maschinell aufgepustet, das böse Loch entdeckt, mit Seifenschau exakter lokalisiert und dann aufgebohrt. Der Reifen wurde von der Felge befreit und innen abgeschliffen, abgeschabt und mit zwei Tinkturen bestrichen. Dann wurde ein rechteckiger Aufkleber aufgelegt, festgerödelt, dann mit einer bitumenartigen Paste eingepinselt, wieder aufgefelgt, belüftet und schwupps waren wir um einen 5000-Kronenschein (ca. 40 €) leichter. Der ganze handwerkliche Spaß hat mal 20 Minuten gedauert. Wir sind nun aber beruhigt wieder einen vollen einsatzfähigen Reservereifen zu besitzen und freuen uns auf neue Touren. Auf dem Weg lag der von uns schon früher bereiste Gulfoss. Diesen steuerten wir über die touristisch kaum erschlossenen Ostseite an. Dort waren wir allein, gegenüber im Westen etwa hunderte Touristen. Nach dem Mittagsmahl ging es dann los ins karge und interessante Hochland. Zuerst über die Piste F347. Eine einfache geschotterte Piste ohne Schilder oder ohne Verbotszeichen. Rechts und links lagen hellgrüne Mooshänge,in der Ferne schimmerte ein Gletscher und im Nordwesten ragte ein imposanter schwarzer Bergkegel. Die Strecke war einfach und wir kamen fast mit 50 km/h voran. Drei oder vier Furten meisterten wir schon. Eine Durchfahrt nahm Jutta mit der Kamera auf und wurde von hunderten von Mücken attackiert, was auf dem Film gut sichtbar wird 😉 Diese waren für den Anfang ganz gut, denn sie hatten nur etwa 30 oder 40 cm Tiefe. Nach 30km änderte sich das Bild. Das Umland wurde spartanischer. Nur noch Geröllhügel umgaben uns. Die ersten Schneefelder lagen neben der Piste und die Markierungsposten spärlicher. In unserem Roadbook stand etwas von einem steilen Anstieg, dieser war aber eine echte Herausforderung für den Amarok mit Kabine und benötigte 2 Anläufe, Christian gab Vollgas und der Amarok fraß sich den Weg hoch. Schnell blätterte Jutta im Roadbook nach, was noch so alles kommen würde….. weiter durch eine Furt mit großen Steinen und einer versetzten Ausfahrt.

Weiter in den Bergen kamen wir an einem Eisfeld vorbei und hielten an, eine fantastische Eishöhle mit bizarren Gebilden lag neben der Strecke, dazu diese unglaubliche Stille und Einsamkeit.

Die nächste Furt hat uns zu einer sportlichen Pause gezwungen, stecken geblieben und eingebuddelt, unser Plan war schnell klar, der Spaten und die Sandbleche warteten auf ihren ersten Einsatz – allerdings haben wir auch mit den bloßen Händen das Zeug unter dem Fahrzeug weggebaggert (Außentemperatur 8°C und mit nackten Füßen im Fluß). Nach ca. 20 Minuten und nassen Klamotten konnten wir uns aus dem kleinen Sandstück befreien und weiter fahren.

Weitere Eisfelder kreuzten unseren Weg, das erste umfuhren wir noch geschickt, das zweite lag direkt hinter einer Kuppe, wir fahren nur am Rand vorbei und schon sind wir wieder gestoppt, dank 4×4 kommen wir rasch wieder raus und weiter. Nach der nächsten Abfahrt müssen wir abbremsen und gleichzeitig stark links einschlagen und Schwung holen, um den steilen Anstieg auf losem Untergrund zu meistern. Auf 2/3 bleibt der Wagen stehen und will nicht mehr höher. Jutta übernimmt das Steuer und rollt den VW sicher wieder rückwärts abwärts und auf leicht festeren Grund. Mit Vollgas und voller Untersetzung und 2m Anlauf prügelten wir den VW da hoch. Oben hieß es dann Lage peilen. Wir standen auf der Spitze eines Lavaaschehügels und mussten da runter. Es gibt kein Zurück, da es loser Sand ist. Blöderweise ist da noch ein Sattel zu meistern, für den wir Schwung brauchen, doch das geht eigentlich nicht. Wir fahren nämlich nicht bergab, wir rutschen bergab und die Lenkung ist extrem träge. Irgendwie, ohne Verstand, gelingt es doch, die lange Abfahrt zu meistern. Unten standen wir in einem mehrere hundert Meter breiten Flußbett. Es liefen dort nur Rinnsale her. Nach 800m hörten die Pinne auf und die Flüßchen schienen tiefer und die angekündigte Ausfahrt am anderen Ufer war leider nicht in Sicht. Vielleicht trübte auch der Regen und die geringe Sicht unseren Endruck. Wir drehten um und suchten die Stelle, wo nach unserer Roadbookbeschreibung eine Abkürzung starten sollte, die wir eigentlich nicht wollten. Doch da war alles grün. Es sah nach Sumpf aus und wir drehten rasch wieder. Für heute sollte es reichen. Wir steuerten auf ein Zwischenplateau und richteten uns für die Nacht ein, denn es war schon weit nach 22.00 Uhr. Lost in somewhere. Bei einer großen Pulle Rotwein und einer Außentemperatur von 6°C entspannten wir von dieser nicht beabsichtigten Expirience.

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Gullfoss, von der unpopulären Ostseite
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Landschaft westlich der F349

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Hinweisschild zum Furten der Flüsse
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Auftauende Schneehöhle einer Schneeverwehung an der F347

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An der F347

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Übersehene Sandbank in einer Furtpassage, dass Wasser war eiskalt. Also freischaufeln!!
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Wagen rückwärts mit Sandblechen wieder freibekommen
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Studium, wo ist die beste Querungsstelle zumFurten. Macht man am besten barfuß
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Links ist unsere Abfahrtsspur im schwarzen Lavaaschenbereich zu sehen, unten das zu passierende Flußbett

Dienstag 24.07.

Der Morgen startete mit Stille, guter Sicht und trocken! Nach dem Frühstück setzen wir unsere Wanderstiefel vor das Auto und erkundeten den Weg in die Flußschlucht. Wir wollten herausfinden, ob das wirklich der vermutete Weg sei. Wir gingen richtig hoch und weit. An einem Wasserfall mit umgebenden Schneefeldern war schnell klar, hier geht’s nicht lang. Nachdem gestern ja der Osten nicht viel versprechend war, um diesem Flußtal zu entkommen, war nun auch der Westen zu. Blieb nun noch der Norden. Von den Bergen erspähten wir in den gestern noch gemiedenen grünen Sümpfen Fahrspuren. Auf ins Tal um es genauer zu studiert. Es gab mehrere Fahrspuren und wir peilten die beste aus. Aber. Unser mitgeführtes und aktuelles Buch wies unsere angepeilte Strecke übrigens echt als Piste aus. Wir sind also nicht leichtfertig oder unbedarft da her- bzw. hineingefahren.

Der Anfang des Grüngürtels war mit Baumwollgras bewachsen, dass war ein ungutes Zeichen (es wächst auf feuchtem Untergrund!). Aber wie viele Alternativen hatten wir noch? Zurück zum Reimo, um es zu versuchen kam uns ein einsamer Wanderer entgegen. Es war Tillmann aus München, mit dem wir einen warmen Tee tranken. Zu dritt gings dann zu unserem Einstige in den morastigen Part des Flußtals. Mit Schwung setzten wir durch den Bach und kamen exakt 3m weit, dann saßen wir richtig fest. Auch zu dritt und dem Einsatz der Sandbleche gings nicht mehr vor und zurück. Zum Glück war Tillmann da. Er hatte ein (!) funktionierendes Handy dabei. Mit diesem kontaktierten wir FBI (Isländischer Automobilclub), ADAC und einen Abschlepper. Da der Empfang zu schlecht war, kamen wir insgesamt auf über 20 Anrufe. Der ADAC lachte am Telefon und teilte gleich mit, dass das Bergen auf diesen Strecken nicht im Leistungsspektrum inkludiert sei. Egal. Wir mussten da fort. Ab 14.00 Uhr hieß es also warten. Wir kochten lecker und lasen, denn der FBI hatte zugesagt, dass Hilfe kommen würde. Und gegen 19.00 Uhr kam am östlichen Schluchtende – da wo wir gestern nichts gesehen hatten – ein gelber Frontlader mit Jeep langsam auf uns zu. Unser Bergungsteam, welches uns sehr unentspannt und voller Vorwürfe empfing! Warum wir denn hier wären? Das Hochland sei gesperrt! … Der Bagger nahm uns an den Hacken. An unserer Anhängerkupplung wurden wir rückwärts raus gezogen. Zwischendurch machte der Typ etliche Fotos und teilte uns mit, dass er für die Bergung 1000€ haben wolle. Dazu käme ein weitere noch saftigere Strafe bei der Polizei! Wir schluckten. Dann wurde es pädagogisch. Er feuerte uns eine Schaufel hin und wies uns an, dass wir den Schaden im Moor wieder beheben sollten. Gesagt, versucht und z.T. auch geschafft. Zum Teil mit bloßen Händen bugsierten wir alles zurück. Dabei standen wir erneut im eiskalten Flußbett. Dann zog die Polonaise los. Wir wurden mehrfach daraufhin gewiesen, dass wir exakt nur in der Jeepspur fahren sollten. Es dauerte länger, da der Bagger z.T. unsere benutze Spur abbaggerte, damit keiner dort mehr folgen kann und auch, da er an anderen Stellen den exakten Track ausbesserte. Auch für uns mit unserem langen Überhang schob er oft die Strecke flach. Dort wo wir gestern drehten, gings eigentlich nur geradeaus weiter. Durch den Fluß mit etwa 50/60 cm Tiefe und dann fingen auch wieder unsere ersehnten Pfosten an. Wir dachten nun sei es ja easy und schnell um, da auch das Roadbock nichts mehr verraten hatte, doch es wurde noch sehr anders. Kniffelige Passagen mit spitzen festen Lavasteinen, die auch noch in verschiedenen kleinen Höhenlagen engkehrig zu durchwinden waren, stellten schon eine Herausforderung dar. Dauernd rechneten wir mit dem nächsten Platten, aber da wir unter 10kmh rollten, kamen wir an diesem Tag ohne Reifenwechsel aus. Aber es blieb leider sehr abwechslungsreich. Als nächstes erreichten wir Lavaplattenfelder, die beträchtliche Höhenunterschiede aufwiesen. Wir hatten immer Angst um unser Heck aus Holz. Einen Aufsetzen wollten wir unbedingt vermeiden. Stattdessen krachte es oft woanders. Entweder war es das Motorschutzblech, dass einen Stein touchierte oder statt des Hecks setzte die Anhängerkupplung auf 🙂 Der steile Doppelanstieg ließ Jutta nur kurzzeitig nach Atem schnappen, aber dann realisierte sie, dass er genauso steil wie gestern, nur länger war. Und mit Anschwung und voller Untersetzung und um die 3000 Umdrehung rasten wir schaukelnd da hoch. Wir entspannten schon und dachten jetzt kommen ruhige 20km in Kolonne fahren, als ein völlig neues Hindernis auftauchte, dass nicht im Buch stand! Wir kannten so etwas nicht und hätten es niemals in Angriff genommen. Nun mussten wir. Zum Glück waren wir nicht allein. Es waren Schneefelder! Insgesamt sollten es acht werden. Beim ersten wurde Christian im Schneefeld das Steuer abgenommen, da wir mit unseren eigenen Fahrkünsten nicht durchkamen. Beim zweiten Feld, wo der Schnee ungefähr 1,80m hoch lag, wechselte wieder der Fahrer des Amaroks. Dann schafften wir den Rest alleine. Die Schneefelder waren nur passierbar, da der Typ auf seinem Hinweg mit seinem Bagger und der Schaufel jeweils eine Schneise geschlagen hatte. Hätten wir den Fluß allein geschafft, spätestens an den Schneefeldern, die zum Teil 50m lang waren, wären wir gescheitert. Der Rest war easy, Aschepisten, Bächleinpassagen und spitze Lavasteinfelder. Es war kurz vor 22.00 Uhr als wir das Hüttendorf mit Campingplatz (CP) am Kjerlingafjöll erreichten. Wir parkten unseren Amaork, der sehr froh war, endlich eine Pause neben 5 weiteren Pickup-Camper mit Wohnkabinen zu bekommen. Wenn wir schon auf einem CP stehen, dann entsagen wir bei der Dusche nicht.

Im Rückblick läßt sich zur heutigen Piste festhalten, dass man deren Charakter an folgenden Aspekten zuordnen kann: Die Löffel lagen in der Schublade um 180° in Längsrichtung verkehrt, nicht nur Kaffee war überall aus dem geschlossenen Behälter aus dem obersten Regal gerieselt, nein heute auch dazu noch Kokosraspeln, finaly war eine Keramiktasse in diverse Einzelteile zerbröselt und …

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Roadbook mit dem Hinweis zum Abzweig; funktionierte leider nicht
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AmaTi zu schwer für den Track – nix ging mehr
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Heute war eine „geführte Tour“ mit Tourguide angesagt – die Fahrspur war erst Stunden zuvor vom Bagger freigeräumt worden
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nördlich Kerlingarfjöll

Mittwoch 25.07.

Es war blauer Himmel und zur Begrüßung schien uns die Sonne im Alkoven ins Gesicht. Nach dem Frühstück zahlten wir unseren gestrigen in Anspruch genommenen „Dienst“, wobei der Preis etwas moderater geworden war! Dafür staunten wir über die Übernachtungspreise. Obwohl wir kein Frischwasser für unser Auto beziehen konnten, wir keine Entsorgung für unsere Toilette vorfanden und wir auch kein WiFi hatten, zahlten wir pro Nase 20€!! Egal, ist ja Island. Wir schnürten die Wanderstiefel und liefen einen kleinen Walk entlang des rauschenden Gebirgsbachs. Am Ende befand sich in der Vulkanarea ein Hot-Pool, in denen wir unsere Luxus-Camping-Körper gleiten ließen. Und siehe da, es gab hier weit im Norden auch Haubentaucher 😉 Gegen Mittag zündeten dann auch wir den Motor und rollten über ganz moderate Pisten zum Geothermalgebiet Hvervelier. Da uns da aber der Regen überraschte und wir es als unbedeutend empfanden drehten wir bald wieder ab. Über 100km Piste (35) ging´s gen Süden, wo wir wieder bei den Geysiren landeten. Leider auch mit uns ein paar Busladungen deutscher Touris. Der Geysir lag heute nicht im Nebel und dreimal schauten wir uns seine Eruptionen an. Gegen Mitternacht klopfte eine Isländerin ans noch erleuchtete Reimo und teilte uns mit, dass wir dort nicht stehen könnten. Im ort nur auf dem CP. Also setzten wir uns in Bewegung und rollten Richtung Süden. Bei einen der vielen Wasserfälle stoppten wir. Mit dem Rauschen des Stromes schliefen wir ein.

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Campground Kerlingarfjöll
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Weg und Flußbett zum Hot Pool am Kerlingarfjöll
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Mit Haube im Hot Pool

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Auf der Kjölur/F35
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Hvervellir
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Kjölur
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Neben der F35
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Fumarole nördlich vom Geysir
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Der echte und einzige GEYSIR

Hier  geht’s zum zweiten Teil des Island-Trips.